Aspirin und Paracetamol bei Hund und Katze

Bewährte Schmerzmittel aus der Humanmedizin – auch für Hund und Katze geeignet?

Mancher Tierbesitzer denkt, dass das, was für ihn gut ist, doch auch fürs liebe Tier gut sein muss.  Oft wird auch in der Not auf das zurückgegriffen, was da ist. Verbreitete Schmerzmittel sind Acetylsalicylsäure (Aspirin®) und Paracetamol. Für Hund oder Katze zugelassene Präparate mit diesen Wirkstoffen gibt es nicht! Der Tierarzt kann für den Einsatz im Humanbereich zugelassene Medikamente umwidmen für den Gebrauch beim Tier und wird dabei die besonderen Verhältnisse bei der entsprechenden Tierart berücksichtigen. Dem Tierbesitzer ist dringend von solchen Experimenten abzuraten.

Die minimale toxische Dosis

Grundsätzlich gibt es keine Wirkung eines Medikamentes ohne Nebenwirkung.  Jedes Medikament ist ein potentielles Gift. Erwünschte Wirkung und Giftwirkung liegen oft nahe beieinander. Der allgemeine Gesundheitszustand, Erkrankungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Vorerkrankungen und das Alter des Patienten beeinflussen die Toleranz bzw. die Grenze, ab der sich beim einzelnen Individuum toxische Effekte zeigen.

In den Angaben zur Toxizität eines Wirkstoffes findet man immer die minimale toxische Dosis. Was bedeutet das ? Kann man diese Dosierung sorglos geben? Oder ist die Menge schon gefährlich?

Die toxische Dosis TD ist die Dosis, die eine oder mehrere toxische Wirkungen hervorruft. Die effektive Dosis zur Erreichung des gewünschten Behandlungszieles liegt natürlich unter der TD.  Dazwischen liegt die therapeutische Breite eines Wirkstoffes. Das ist dann die Dosis, die mit Nutzen und ohne zu starke Nebenwirkungen verabreicht werden kann.

Die minimale TD ist definiert als die TD50, bei der 50% der Probanden toxische Effekte zeigen. Die minimale toxische Dosis ist nicht gleichzusetzen mit der geringsten bekannten toxischen Dosis, diese liegt unter der TD50.

Von der TD muss man die LD unterscheiden, die letale (tödliche) Dosis.

Grundsätzliches zur Metabolisierung/Entgiftungl

Jeder Wirkstoff, der per os (oral) aufgenommen wird, passiert zunächst die Leber. Hier werden Wirkstoffe an Transportproteine gebunden, metabolisiert/entgiftet und zur Ausscheidung vorbereitet. Das Bestreben der Leber ist immer die Entgiftung von Medikamenten.  In jedem Fall ist die Metabolisierung die Voraussetzung für die Entgiftung. Würde ein Medikament nicht  verstoffwechselt, würde es im Körper akkumulieren und es käme früher oder später zu einer massiven Vergiftung. Die Metabolisierung ist verantwortlich für die nachlassende Wirkung und ist gleichzeitig Vergiftungsprophylaxe.

Für die Entgiftung stehen verschiedene Stoffwechselwege zur Verfügung, die sich bei Hund und Katze unterscheiden, die auch irgendwann erschöpft sind, was dann zu weiteren unerwünschten (und nach Tierart unterschiedlichen) toxischen Wirkungen führt. Das  bedingt unterschiedliche Toleranzen bei Hund und Katze. Bei Jungtieren sind die Leberenzyme, die zur Metabolisierung benötigt werden, noch nicht ausgereift, sie vertragen grundsätzlich weniger.

Medikamente beeinflussen sich häufig gegenseitig in ihrer Wirkungsstärke. So kann ein Medikament die Metabolisierung/Ausscheidung eines anderen verzögern (und damit die Wirkung verstärken und auch die Gefahr einer Intoxikation erhöhen) oder beschleunigen (und damit die Wirkung abschwächen).

Nun aber ganz konkret zu Acetylsalicylsäure und Paracetamol (Acetaminophen):

Paracetamol

Paracetamol wirkt schmerzstillend (analgetisch) und fiebersenkend (antipyretisch). Es wirkt NICHT entzündungshemmend!

Empfohlene und minimale toxische Dosierung bei Hund und Katze

Die Dosierungsempfehlung für den Hund lautet 15 mg/kg Körpergewicht p.o. alle 8 Stunden. Die minimal toxische Dosis (die geringste Dosis, bei der es zu Vergiftungserscheinungen kommen kann) beträgt für Hunde 200 mg/kg (einmalige Verabreichung) oder 46 mg/kg/Tag (wiederholte Verabreichung über 6 Wochen).

Katzen reagieren äusserst empfindlich auf Paracetamol. Die minimal toxische Dosis beträgt 10 mg/kg Körpergewicht p.o.

Katzen sollten daher grundsätzlich kein Paracetamol bekommen.

Bei Paracetamol hängt die Toleranz auch vom Ernährungszustand ab. Unterernährte Tiere vertragen weniger.

Latenzzeit der Vergiftung

Die Latenzzeit der Paracetamolvergiftung wird mit 1-4 Stunden angegeben. Solange dauert es, bis sich nach der Verabreichung die Vergiftungssymptome zeigen. Vorrangiges  Zielorgan der Paracetamol-Toxizität ist die Leber. Bei Katzen kommt es vor der Leberschädigung allerdings schon zur Oxidation des Hämoglobins in den Erythrozyten (Methämoglobinbildung), wodurch sie keinen Sauerstoff mehr transportieren können.

Antidote

Es gibt 2 wirksame Antidote: N-Acetylcystein (Mucolytikum = Schleimlöser) und Vitamin C.

Mehr Informationen zu Paracetamol – auch bei anderen Tierarten – gibt es auf der Seite von vetpharm.

Aspirin

Aspirin wirkt schmerzstillend (analgetisch), fiebersenkend (antipyretisch) und entzündungshemmend (antiphlogistisch). Es gehört zu nicht nicht-steroidalen Antiphlogistika = NSAP.

Es hemmt außerdem die Thrombozytenaggregation und erhöht dadurch die Blutungsneigung durch irreversible Veränderungen an den Thrombozyten. Die Schleimhautfunktion in Magen und Darm wird  herabgesetzt.  Dadurch ist die häufigste unerwünschte Nebenwirkung die Entstehung von Magen-Darmgeschwüren mit Blutungen und Durchbrüchen. Außerdem kommt es (vor allem bei der Katze) unter ASS-Medikation zu einer Knochenmarksdepression mit beeinträchtigter Bildung von Blutzellen.

Empfohlene und minimale toxische Dosierungen

Die empfohlene orale Dosierung von Acetylsalicylsäure beträgt für den Hund 10-25 mg/kg Körpergewicht alle 8-12 Stunden, für die Katze 5-25 mg/kg 1x täglich.

Die minimale toxische Dosis beträgt bei oraler Verabreichung 50 mg/kg 3x täglich beim Hund und 25 mg/kg 2x täglich bei der Katze.

Die akute, orale LD50 beträgt 700 mg/kg bei beim Hund.;

Latenzzeit der Vergiftung

Die ersten Symptome (vor allem Erbrechen) treten 4-6 Stunden nach oraler Aufnahme von Acetylsalicylsäure auf.

Im Fall einer Vergiftung verzögert Acetylsalicylsäure die Magenentleerung, was zu verlängerten Resorptionszeiten führt. Daher steigen im Vergiftungsfall die Plasmaspiegel noch bis zu 12 Stunden nach der oralen Aufnahme an!

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Eine Alkalisierung des Urins fördert die Ausscheidung, eine Ansäuerungverzögert sie. Während Vitamin C ein Antidot für Paracetamol ist, erhöht es das Risiko einer Acetylsalicylsäure-Vergiftung. Das gilt auch für das Bronchiolytikum Ammoniumchlorid und für die schwefelhaltige Aminosäure Methionin, die ebenfalls die Ausscheidung verzögern.

Es gibt zahlreiche Medikamente, die die Wirkung von Salicylsäure schwächen oder die Ausscheidung von Aetylsalicylsäure behindern und dadurch zu einer Wirkungsverstärkung führen.  Penicillin und Sulfonamide werden in ihrer Wirkung verstärkt. Spironolacton (wird zur Entwässerung eingesetzt) wird in der Wirkung geschwächt und Furosemid (ebenfalls ein Diuretikum) verzögert die Ausscheidung von Acetylsalicylsäure. Die Insulinwirkung wird durch ASS potenziert.

In Kombination mit anderen Schmerzmitteln treten verstärkt und vermehrt  Nebenwirkungen auf. Hohe ASS-Dosen verfälschen Harnzuckerbestimmungen je nach Nachweismethode falsch  positiv oder falsch negativ!

Viele zusätzliche Informationen auch zu anderen Tierarten gibt es auf der Seite von vetpharm.

Nebenwirkungen und Vergiftungen homöopathisch therapieren

Jede Medikamentenwirkung ist für den Homöopathen Symptom einer durch das Medikament hervorgerufenen Kunstkrankheit/Arzneikrankheit. Diese kann akut oder chronisch sein. Die homöopathische Mittelwahl erfolgt nach den Symptomen.

Es gibt 2 Allgemeinrubriken mit Unterrubriken, die Vergiftungen abdecken:  Allgemeines – Vergiftung,  Allgemeines – Medikamente. Eine Unterrubrik der Medikamentenrubrik ist Allgemeines – Schmerzmittel; durch mit den Mitteln am-c., bell., carb-v., lach., op – alle einwertig.

Es gibt übrigens sowohl ASS als auch Paracetamol als homöopathische Arznei  in allen Potenzen. Die Mittel heißen  acetylsalicylicum acidum und paracetamolum (oder acetaminophen).

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