Immunsystem und Krebs

Immunsystem und Krebs

Das Immunsystem schützt den Organismus vor allem Körperfremden, das von außen eindringt und eine potentielle Gefahr darstellt (z.B. Viren und Bakterien). Außerdem sorgt es dafür, dass Körpereigenes, das überaltert ist oder aus irgendwelchen anderen Gründen keine normale Funktion mehr gewährleistet, entsorgt wird. Krebszellen sind entartete Zellen, die nicht mehr im Dienste des Organismus stehen, warum werden sie nicht erkannt und vernichtet?

Erkennen – Markieren – Ausschalten

Bevor etwas bekämpft, ausgeschaltet oder vernichtet werden kann, muss es als gefährlich identifiziert werden. Dieser erste Schritt in der Abwehrtätigkeit ist nicht ohne, denn: nicht alles Körperfremde stellt eine Gefahr dar. Es gibt Stoffe/Substanzen, deren Eindringen in den Körper nicht nur keine Gefahr darstellt sondern sogar lebensnotwendig ist: z.B. Nahrung, Luft, Wasser. Was passiert, wenn dem Immunsystem bei der Identifizierung Fehler unterlaufen, kennen wir von den Allergien. Harmloses wird als gefährlich eingestuft und drastisch bekämpft, das kann bis zum allergischen Schock gehen und tödlich enden.
Auch Körpereigenes, was nicht mehr richtig im Sinne der Arterhaltung funktioniert, muss zunächst erkannt werden, bevor es ausgeschaltet werden kann. Auch hierbei können dem Immunsystem Fehler unterlaufen. Das kennen wir von den Autoimmunerkrankungen, bei denen körpereigenes gesundes Gewebe zerstört wird. Beide Vorgänge sind auf ein überaktives Immunsystem zurückzuführen. Demgegenüber steht ein zu schwaches Immunsystem, was tatsächliche Gefahren nicht ausschalten kann. Die Folge sind Infektionen…..und Krebs.

Was gehört alles zum Immunsystem?

Die verschiedenen Aufgaben des Immunsystems werden von unterschiedlichen Zellen/Elementen des Systems übernommen. Erkennen, markieren und Vernichten liegen selten in einer „Hand“.

B-Lymphzyten: bilden Antikörper gegen Krankheitserreger
T-Lymphozyten: Zytotoxische T-Zellen erkennen und vernichten von Viren befallene Zellen und Tumorzellen, wenn sie sie erkennen. Regulatorische T-Zellen (Treg) hemmen die zytotoxischen T-Zellen, damit diese nicht im Übereifer körpereigene/gesunde Zellen vernichten. Sie hemmen dadurch u.U. auch die Vernichtung von Tumorzellen.
Killerzellen greifen von Viren befallene Zellen an. Manche Tumorzellen (denen bestimmte normale Oberflächenmerkmale fehlen) werden ebenfalls angegriffen.
Makrophagen (Phagozyten) sind Fresszellen, sie lösen Entzündungen als Voraussetzung für eine Immunantwort aus.
Dendritische Zellen nehmen Fremdstoffe = Antigene auf und präsentieren sie den Lymphozyten zur Erkennung.
Granulozyten sind auf Bakterien und Parasiten spezialisiert und produzieren Stoffe, die im Rahmen von Entzündungsreaktionen wichtig sind für die Signalübertragung.
Das Komplementsystem besteht aus Eiweißverbindungen, die an Erreger oder andere Antigene andocken und diese entweder direkt vernichten oder für andere Zellen des Immunsystems markieren.

Die zelluläre Abwehr gegen den Krebs

Man unterscheidet die humorale von der zellulären Abwehr. Die humorale Abwehr arbeitet in Körperflüssigkeiten. Antikörper und Komplementsystem werden zur Abwehr eingesetzt. Das zelluläre Abwehrsystem entfernt infizierte Gewebe/Zellen und Tumorzellen, wenn es sie erkennt. Antikörper markieren Erreger, körperfremde Zellen und geschädigte körpereigene Zellen. Das Immunsystem kann auch Zellen mit verändertem Erbgut erkennen, wenn sie spezielle Tumorantigene produzieren und auf ihrer Oberfläche präsentieren. Manche Tumorantigene werden auch ins Blut abgegeben und als Tumormarker im Rahmen der Diagnostik bestimmt. Viele Tumorzellen zeigen sich aber „nur“ wie Embryonalzellen und werden nicht als fremd erkannt. Ihre Abweichungen vom Normalen sind zu geringfügig, um sie als fremd zu identifizieren.

Bei geschädigten Körperzellen wird ein Selbstmordprogramm zur Vernichtung aufgerufen, dass OHNE Entzündungsreaktion und ohne Schädigung des benachbarten gesunden Gewebes abläuft – bei Krebszellen funktioniert dieser programmierte Zelltod (Apoptose) nicht mehr, sie werden unsterblich.

Fazit: Auch das stärkste Immunsystem kann den Krebszellen gegenüber machtlos sein, weil sich der Tumor unter Umständen allen Abwehrmaßnahmen entzieht. Das Erbgut des Tumors ist sehr instabil, die Zellvermehrung rasant. Mutationen, die das Überleben (also auch das Nicht-erkannt-werden vom Immunsystem) unterstützen, setzen sich durch.

Krebs ist keine Folge eines schwachen Immunsystems (Ausnahme: Krebs als Folge ein Virusinfektion z.B. HIV)!

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