Das Metabolische Syndrom

Fertigfutter, Übergewicht und Diabetes

Das Leben der domestizierten Tiere hat sich verändert: Während Hund und Katze in der freien Wildbahn ihre Beute jagen mussten (und dabei viel Energie verbrauchten), müssen sie sich heute nur noch zu ihrem Napf bewegen. Bewegungsunlustige Besitzer halten auch bei ihren Tieren Bewegung für überflüssig.

Beim Pferd ist die Situation grundsätzlich ähnlich. Wildpferde müssen jeden Tag weite Strecken auf der Futtersuche zurücklegen. Als Stalltiere stehen Pferde (wenn sie Glück haben) 23 Std. im Stall und werden 1 Std. bewegt. Die Fütterung wird leider nicht angepasst bzw. der Energiebedarf hoffnungslos überschätzt.

Zu wenig Nahrung gibt es kaum noch: allgemein ist die Nahrung zu energiereich und der Energiebedarf sinkt aufgrund des Bewegungsmangels. Das gilt für Mensch und Tier gleichermaßen und führt zu einem Aufbau von Reserven = Fettdepots. Dabei ist es völlig gleichgültig, aus welchen Nährstoffen das Zuviel an Energie stammt, aus Kohlenhydraten, Fett oder Eiweiß. Übergewicht entsteht, wenn die Energiezufuhr langfristig über dem Bedarf liegt.

Insulinresistenz durch zuviel Kohlenhydrate

Soweit Kohlenhydrate (Stärke aus Getreide) an der Überfütterung beteiligt sind, kommt das Problem der Insulinresistenz mit Hyperglykämie und Hyperinsulinismus hinzu. Die ständige Aufnahme von zuviel Kohlenhydraten führt zu einer zunehmenden Unempfindlichkeit der Zellen für Insulin, zu einer ständig erhöhten Insulinausschüttung, Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen. Verschärft wird die Situation durch die Hormonproduktion des bei Adipositas in der Bauchhöhle vermehrt abgelagerten Bauchfettes (das man von außen nicht sehen kann).

Kalorienbombe Fertigfutter

Industriell gefertigte Tiernahrung ist kalorienreich und reich an Kohlenhydraten und leistet der Entstehung von Übergewicht, Diabetes und metabolischem Syndrom (einem Symptomenkomplex aus Adipositas, Hyperglykämie, Hyperinsulinämie, Entzündung, Gefäßveränderungen, Fettstoffwechselstörungen) Vorschub.

Sowohl Rohstoffe für Trocken- als auch für Nassfuttermittel werden normalerweise einem thermischen Prozess unterzogen, der die Proteine denaturiert und die Stärke verkleistert. Generell kann man sagen, dass die Stärkeverdaulichkeit durch diese Behandlungen erhöht wird, die Eiweißverwertung aber verschlechtert wird.

Der natürliche Speiseplan von Hund und Katze

Die Betrachtung der natürlichen Ernährung von Hund und Katze (und der daran angepassten Verdauungs- und Stoffwechselvorgänge) zeigt, dass Kohlenhydrate absolut verzichtbar sind. Sie sind im natürlichen Speiseplan nicht oder nur beschränkt enthalten und sind in Mengen, die darüber hinaus gehen, gesundheitsschädlich, da der Organismus nicht auf ihre Verwertung in größeren Mengen ausgerichtet ist. Wobei der Hund die weitaus größte Toleranz zeigt.

Der Hund ist ein Fleischfresser, der sich (in Grenzen) gut an pflanzliche Nahrung (Stärke) anpassen kann, sie verträgt und verwerten kann. Im eigentlichen Sinne ist der Hund ein Omnivore, ein Allesfresser. Er hat sich in seiner Entwicklung vom Wolf zum Haustier immer mehr an die Ernährung des Menschen angepasst. Der Hund kann vorbehandelte Stärke gut verdauen und die dann anflutende Glucose auch im Stoffwechsel verwerten. Das ändert aber nichts daran, dass ein langfristig hoher Blutzuckerspiegel auch bei ihm zu einer vermehrten Insulinausschüttung mit Gefahr einer Resistenz und eines Diabetes führen kann. Vor allem in Kombination mit Übergewicht.

Die Katze deckt ihren Glucosebedarf zur Energiegewinnung in erster Linie durch die Glucosebildung aus Aminosäuren. Das ist nur logisch, da beim reinen Fleischfresser Kohlenhydrate aus der Nahrung nicht anfluten, allenfalls geringe Zuckermengen aus Leber und Muskulatur der Beutetiere, was aber mengenmäßig nicht ins Gewicht fällt. Der Stoffwechsel der Katze hat sich evolutionsbiologisch an das Fehlen von Zucker in der Nahrung angepasst. Die Verdauung von vorbehandelter Stärke oder Zucker funktioniert aber (man muss fast sagen leider), so dass ein Anstieg des Blutzuckers mit nachfolgender Insulinausschüttung durchaus stattfindet, wenn dergleichen gefüttert wird. Die weitere Verwertung größerer Mengen im Stoffwechsel  ist aber nicht vorgesehen. Der Blutzuckerspiegel und der Insulinspiegel des Blutes bleiben nach kohlenhydratreicher Nahrung erhöht, was zur Insulinresistenz und einer frühzeitigen Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse führen kann (Diabetes Typ 2) und Fettsucht begünstigt. So betrachtet ist die Zunahme von Diabetes-Erkrankungen (natürlich immer in Abhängigkeit von der Fütterung stärkereichen Futters) bei der Katze nur verständlich.

Das Pferd: ein Pflanzen- aber kein Getreidefresser

Das Pferd kann auch rohe Stärke in gewissem, wenn auch begrenztem Umfang verdauen. Das ist wiederum nur logisch, da die Pflanzenkost (Same der Gräser) Stärke enthält. Das ständige (unnatürliche) Zufüttern von Getreide bzw. getreidehaltigen Mischfuttermitteln mit noch verbesserter Stärkeverdaulichkeit kann zu einer Insulinresistenz mit Hyperglykämie und Hyperinsulinämie führen. Dazu kommt, dass die Kapazität des Verdauungstraktes für die Verwertung von Stärke (auch hier wieder in Anpassung an die natürlichen Ernährungsbedingungen) sehr begrenzt ist. Viel hochverdauliche Stärke, die nicht verdaut werden kann, führt im Dickdarm zu Verschiebungen der Darmbakterienbesiedlung und pH-Abfall mit dramatischen Folgen (Schleimhautschädigung, Endotoxinübertritt, Hufrehe).

Beim Pferd erklärt sich stärkehaltige Fütterung z.T. aus seinem Verwendungszweck. Arbeitsleistung erfordert Energie und den erhöhten Energiebedarf kann man unter Umständen nicht mehr nur über Heu/Gras decken. Also greift man zu Hafer und Co. oder Mischfutter mit Getreideanteil. Hafer ist grundsätzlich die energieärmere Variante. Alle anderen Getreide bzw. ihre Zubereitungen sind energiereicher. Leider wird der tatsächliche Energiebedarf oft überschätzt, es werden leicht verdauliche energie- und kohlenhydratreiche Mischfutter, Pellets oder Müslis verfüttert mit den geschilderten Folgen.

Getreide – billig und kalorienreich

Nach allem, was wir über Hund, Katze und Pferd und die Kohlenhydrate wissen, fragen wir uns mit Recht, warum so viele Futtermittel erhebliche Mengen an Stärke (aus Getreide) enthalten, wenn das im natürlichen Speiseplan überhaupt nicht oder nur begrenzt vorgesehen ist und ausgesprochen krankheitsfördernd ist. Was Hund und Katze angeht, ist die Antwort einfach: Getreide ist billiger als Fleisch. Je mehr tierische Anteile der Hersteller durch Pflanzliches ersetzt, um so günstiger ist die Produktion für ihn. Theoretisch kann er das bis zum Minimum des Eiweißbedarfes treiben, der noch enthalten sein muss. Aber selbst das tierische Eiweiß kann er mit Geschick teilweise durch pflanzliches Eiweiß (z.B. aus Soja) ersetzen. Beim Trockenfutter nimmt das die größten Ausmaße an. Ohne Getreide lässt sich Trockenfutter in der gewohnten Form nicht herstellen. Trockenfutter ist platzsparender zu lagern und macht weniger Abfall als Dosenfutter. Es ist wesentlich kostengünstiger als Nassfutter und man kann noch mehr Kohlenhydrate rein packen, ohne dass der Normalverbraucher es bemerkt.

Beim Pferd dürften die Haltungsbedingungen, die Überschätzung des Energiebedarfs und zusätzlich die Übertragung menschlicher Vorstellungen von “guter” Ernährung ausschlaggebend sein. Müslis müssen einfach gesund sein. Ein Mischfutter mit allem drin muss doch besser sein als Hafer pur. Dabei wird vergessen, dass die Nahrungsgrundlage des Pferdes Grünfutter und Grünfutterkonserven sind und eben KEIN Getreide und erst recht kein besonders energie- und kohlenhydratreiches Mischfutter.

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