Repertorisieren – Schritt für Schritt erklärt (1)

Dieser Beitrag ist Teil 1 von 3 in der Serie Repertorisieren

Unser Werkzeug – das Repertorium

Das Repertorium ist ein Verzeichnis der Symptome der homöopathischen Arzneien, erstellt auf der Grundlage von Arzneimittellehren. Es ist aufgebaut wie jedes andere Buch auch: Es hat Kapitel und Unterkapitel (heißen im Repertorium Hauptrubriken und Unterrubriken), in denen die Mittel einsortiert werden, die das jeweilige Symptom (das der Rubrik auch ihren Namen gibt) abdecken.

Das Repertorium soll uns helfen, die heilende Arznei zu finden. Wir suchen die Arznei, die ähnliche Symptome hervorruft und heilt, wie unser Patient sie aufweist.

Angesichts der Vielzahl von Mitteln mit Hunderten von Symptomen ein schwieriges Unterfangen….gäbe es da nicht die Repertorien, die Symptomenverzeichnisse, und das Verfahren der Repertorisation, mit dem wir aus der Vielzahl der möglichen Mittel diejenigen aussortieren, die aufgrund ihrer Symptomenähnlichkeit zur Patientenkrankheit als Heilmittel infrage kommen könnten. Ohne Ähnlichkeit ist keine Heilung möglich, bei zu geringer Ähnlichkeit wird es nur eine vorübergehende Besserung geben.

Die Rubriken des Repertoriums

Hier 2  Beispiele für den Aufbau zweier Repertorien, die Kapitel des Synthesis und die vergleichsweise  spartanischen Kapitel des Therapeutischen Taschenbuchs (TTB) von Bönninghausen. Ich habe die Kapitel aus Radar kopiert. In den Büchern fehlen natürlich die schönen Bildchen.

Synthesis

TTB

Und hier ein Beispiele für den Aufbau innerhalb eines Unterkapitels aus dem Synthesis – ein Ausschnitt aus der Rubrik Magen -Durst.

Und hier wieder die spartanische Version der Magenrubrik (es gibt keine Unterrubriken) aus dem TTB. Hier müssen wir die Empfindung, die Zeiten und die Begleitbeschwerden in anderen Repertoriumskapiteln suchen.

Der Aufbau des Repertoriums

Die Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Repertorien aufgebaut sein können. Grundsätzlich folgen die Kapitel des Repertoriums soweit die Organe und Körperteile betroffen sind, einem Kopf-zu-Fuß-Schema und gehen vom Allgemeineren zum Spezielleren.
Die Angaben aus den Arzneilehren werden im Repertorium in Rubriken und Unterrubriken einsortiert.  Ein Symptom wird bei der Erstellung des Repertoriums in aller Regel aufgesplittet und in verschiedenen Rubriken einsortiert.
Den Originaltext eines Symptomes, wie z.B. Durst auf große Mengen, unstillbar, vor allem Nachts und in den frühen Morgenstunden mit Brennen im Magen, nicht erleichtert durch Trinken, werden wir so niemals im Repertorium finden. Hier folgt aber jedes Repertorium einer eigenen Logik, die vom Verfasser vorgegeben ist. Es lohnt sich in jedem Fall, sich mit dem Aufbau und der Philosophie des vorliegenden Repertoriums zu beschäftigen. Noch besser ist es, sich VOR der Anschaffung eines Repertoriums kundig zu machen, um dann zu entscheiden, mit welchem Repertorium man nach welcher Methode repertorisieren möchte. Meist ist es aber andersherum. Man kauft sich ein Repertorium, ohne viel darüber zu wissen und legt irgendwie los. Diese Irgendwie führt dann – wenn überhaupt – eher zufällig zum gewünschten Ziel.

Unser Phantasiesymptom bzw. die Mittel, die unser komplexes Symptom abdecken, finden wir nach dieser Aufsplittung im Synthesis in den Rubriken Magen – Durst, unstillbar, Magen – Durst auf große Mengen, Magen-Durst mit Brennen im Magen. Oder im TTB unter Körperteile und Organe – Hunger und Durst und Empfindungen und Beschwerden – Äußere und innere Körperteile im Allgemeinen – Brennen – innerer Teile. Wir  „bauen“ uns in jedem Fall das gesuchte Symptom aus Einzelteilen wieder zusammen, so gut es geht.

Das Repertorium ist also ein relativ willlkürlich angelegtes Verzeichnis der Symptome, die bei Arzneiprüfungen, in der Toxikologie und in der Klinik bei Verabreichung der homöopathischen Mittel aufgezeichnet wurden. Es gibt Fehler und Unvollständigkeiten allein auch dadurch, dass nicht alle Mittel gleich gut geprüft sind und die Zuverlässigkeit der Quellen schwankt.

Die Wertigkeiten

Manche Mittel haben ein Symptom nur in der Toxikologie, in Vergiftungsfällen mit der Ursubstanz gezeigt, anderen haben es in Prüfungen gezeigt und vielleicht sogar im klinischen EInsatz schon oft kuriert. Das spiegelt sich in den sogenannten Wertigkeiten der Mittel wieder, mit denen sie in den Rubriken notiert sind.

Hier gibt es schon in den Arzneilehren unterschiedliche Zuordnungen. Manche Autoren unterscheiden 2, andere unterscheiden 6 Wertigkeiten. Bei der Einordnung in ein anderes Wertigkeiten-Spektrum im Repertorium (Kent und Synthesis  4, Universale und Complete 3 Wertigkeiten) kommt es also zwangsläufig zu einer anderen Einteilung als ursprünglich vom Verfasser der Arzneilehre vorgenommen.

Statt in den Repertoriumsrubriken hinter jedes Mittel die entsprechende Zahl zu schreiben, hat man sich auf einen bestimmten Schriftstil für die jeweiligen Wertigkeiten geeinigt. Im Allgemeinen gilt folgende Einteilung:

Wertigkeit 1 – normale Schrift, kleine Buchstaben- nur in der Toxikologie, in der Phytotherapie oder bei Vergiftungsfällen  beobachtet
Wertigkeit 2 – kursiv – das Symptom hat sich in Prüfungen gezeigt
Wertigkeit 3 – fett, Großbuchstaben – das Symptom wurde in der Klinik bestätigt
Wertigkeit 4 – fett, Großbuchstaben und unterstrichen –  in der Klinik häufig bestätigt

Und falls es noch die Wertigkeit 5 oder 6 gibt, sagt sie aus, dass die Bestätigung in der Klinik noch häufiger zu beobachten war. Es gibt auch ein Repertorium (von Boger), in dem nur 3 Wertigkeiten unterschieden werden je nach Bestätigungsgrad in der Klinik. Das würde dann in der o.a. Aufstellung den Wertigkeiten 4, 5 und 6 entsprechen. Mittel mit Wertigkeiten 1 oder 2 im obigen Sinne fanden in dieses Repertorium keinen Eingang.

Jetzt verstehen wir, dass nicht nur die gemeinsame Schnittmenge der Mittel, die alle Symptome abdecken, von Bedeutung ist sondern auch die Wertigkeiten (und die Struktur der Wertigkeiten im eingesetzten Reperorium). Im Allgemeinen gilt, dass Mittel mit höheren Wertigkeiten dem Patienten sicherer helfen können als solche mit geringeren Wertigkeiten. Auch davon gibt es allerdings Ausnahmen, auf die ich später eingehen werde.

Die Repertorisation

Die Repertorisation ist – vollkommen unabhängig von der Methode (nach Kent, nach Bönninghausen oder Boger) – eine rein rechnerische Angelegenheit.  Wir suchen die Schnittmenge der Mittel, die (im Idealfall) in allen ausgewählten Rubriken vertreten sind, also die Symptome des Patienten abdecken. Dabei reicht uns allein die Angabe, ob das Mittel in der Rubrik vertreten ist oder nicht, aber  nicht aus. In dieser Schnittmenge sind nämlich sowohl Mittel enthalten, die das Symptom in Prüfungen immer und immer wieder gezeigt haben und solche, die es nur selten gezeigt haben. Es gilt, zusätzlich die Wertigkeiten zu berücksichtigen.

Jetzt wissen wir, was für die Repertorisation zunächst wichtig ist: die Anzahl der abgedeckten Symptome und die Wertigkeiten.

Genug der Theorie….wie gehen wir nun vor? Wie filtern wir aus der Unmenge der Mittel die heraus, die die Patientensymptome abdecken und Heilung versprechen?

Der Repertorisationsbogen

Wer keinen Rechner für sich arbeiten läßt, muss Hand anlegen und Kopfrechnen betreiben. Zunächst brauchen wir einen sog. Repertorisationsbogen. Den kann man sich im Internet herunterladen (mit bis zu 70 vorgegebenen und alphabetisch sortierten Mitteln) oder selbst basteln in Anpassung an die Erfordernisse des einzelnen Falls. Der Reperorisationsbogen ist eine Tabelle, in der wir Symptome, Mittel und Wertigkeiten erfassen.

Zunächst legt man sich eine Liste der Symptome und der ausgewählten Rubriken an. Die ausgewählten Rubriken kann man durchnummerieren um Platz in der Kopfzeile der Tabelle zu sparen.

Hier der allgemeine Aufbau des Repertorisationsbogens. Im Inneren der Tabelle werden die jeweiligen Wertigkeiten eingetragen.

Sy ->
↓ Mittel
Sy 1Sy 2Sy 3Sy 4Summe
Wertigkeiten/Gradient
Summe
Symptome
Summe
Wertigkeiten
+ Symptome
Mittel A3 12 2 8 48 + 4 = 12
Mittel B1 1 4 -6 36 + 3 = 9
Mittel C4 -3 -7 27 + 2 = 9
Mittel D2312848 + 4 = 12
Mittel E

Hinsichtlich der Sortierung kann man unterschiedlich vorgehen. Entweder legt man den Fokus auf die Anzahl der abgedeckten Symptome oder auf die Wertigkeiten oder auf die Summe von beidem. Wie wir sortieren ist Ansichtssache. Egal wie man vorgeht: man sollte niemals davon ausgehen, dass die Repertorisation das EINE Mittel liefert. Aber sie liefert uns eine Auswahl von Mitteln, die infrage kommen könnten. Je nach Sortierungskriterium kann sich die Rangfolge der repertorisierten Mittel natürlich verändern.

Wer mir bis hierhin gefolgt ist und einen praktischen Versuch mit einigen beliebigen Symptomen startet, erkennt schnell die nächste Hürde. Da gibt es nämlich Rubriken mit 300 oder mehr Mitteln….und es gibt solche mit nur einem Mittel. Hat man große Rubriken gewählt, muss man eine lange Liste von Mitteln anfertigen bzw. abarbeiten und nach dem Ausfüllen der Tabelle viel sortieren und steht am Ende mit vielen möglichen Mitteln da und ist vielleicht nicht viel schlauer als vorher. Hat man kleine bis kleinste Rubriken gewählt, steht man am Ende der Repertorisation leicht ohne Mittel da. Außerdem muss man entscheiden, ab ein Mittel, das rein rechnerisch alle Symptome abdeckt, überhaupt in Frage kommt oder vielleicht ein anderes, dass nicht alle Symptome abdeckt, geeigneter sein könnte. Wie wir damit umgehen und wie wir mit weiteren Berechnungen die Arzneiwahl einengen können, wird in den nächsten Folgen des Tutorials erklärt.


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