Dosierung homöopathischer Arzneien

Dosierung in der Homöopathie – egal wieviel und wie oft?

Hinsichtlich der Dosierung der homöopathischen Arzneien ist die Unsicherheit oft groß. Wie orientiert sich der der Homööopathie zugeneigte Tierbesitzer, der in eigener Regie ein Mittel anwendet? Er liest beim Hersteller nach. Was macht der Therapeut, der sich in die Homöopathie nicht von Grund auf einarbeiten möchte? Vermutlich geht er genauso vor. Warum sollte man den Anweisungen des Herstellers nicht folgen? Er muss es doch wissen. So denkt man jedenfalls.

Dosierungsempfehlungen der Hersteller

Hier 2 Links, zum einen zur DHU und zur Fa. Reckeweg

Wie man nachlesen kann, variiert die empfohlene Dosierung der explizit für Tiere zugelassenen homöopathischen Arzneien von 1 Globuli/Tropfen beim Kleinsttier bis zu 50 Globuli/Tropfen bei Rind und Pferd. Irgendwie erinnert das an Dosierungsanweisungen für pharmakologisch wirksame Substanzen, bei denen sich die Dosis am Körpergewicht orientiert.

Diejenigen, die sich im Organon (dem Standardwerk von Hahnemann zur Homöopathie) ein wenig auskennen, wundern sich an dieser Stelle mit Recht. Tatsächlich findet sich dort nämlich nirgendwo ein Hinweis, dass ein Kleinkind weniger Globulis braucht als ein männlicher Erwachsener von 85 kg. Auf Tiere geht Hahnemann im Organon zwar nicht ein, aber es gibt ein Vortragsmanuskript, in dem er betont, dass die Regeln der Homöopathie für den Menschen wie das Tier gelten. Auch hier kein Hinweis, dass ein Pferd mehr braucht als ein Mensch. Was angesichts der Tatsache, dass mit Information und nicht mit Materie therapiert wird, auch nicht überrascht.

Und so hat Hahnemann es sich gedacht

Tatsächlich wird die Standardgebrauchslösung aus 1-2 Globulis/Tropfen (2 wegen der produktionsbedingten Unsicherheit der ausreichenden Benetzung aller Globulis mit dem Mittel) und 125 bzw. 250 ml Wasser-Alkohol-Mischung hergestellt. Diese gebrauchsfertige Zubereitung wird nun jeweils nach vorherigem Verschütteln gegeben. Entweder direkt aus der Flasche oder nach weitere Verdünnung. Weitere Verdünnung heißt: 1 TL in ein Glas Wasser, umrühren und davon eine best. Menge geben, Rest wegschütten. Je nach Empfindlichkeit des Patienten wird sogar noch weiter verdünnt: 1 TL aus dem 1. Glas wird in ein 2. Glas gegeben und mit Wasser aufgefüllt, davon z.B. 1 TL geben, Rest wegschütten. Die Zahl der Schüttelschläge, die Verdünnung und damit die verabreichte Menge regulieren die Stärke der Wirkung und können wenn nötig täglich neu angepaßt werden. Um die Wirkung zu verstärken, verdünnt man weniger und erhöht die Zahl der Schüttelschläge. Durch das Verschütteln der Zubereitung vor jeder Gabe steigt die Potenz langsam an, was Hahnemann als unabdingbare Voraussetzung für die vorteilhafte (heilende) Wirkung der wiederholten Gabe der homöopathischen Arznei gesehen hat.

Heilung oder Unterdrückung?

Die Anweisungen zur Gabenhäufigkeit variieren bei den Herstellern nach Potenzen – auch dieses Vorgehen ist bei Hahnemann nicht zu finden. Die oben verlinkten Dosierungsanweisungen der Arzneihersteller folgen in keinem Punkt den Forderungen Hahnemanns. Globulis werden trocken verabreicht in immer gleicher Potenz, ein Vorgehen, das Hahnemann strikt abgelehnt hat. Man könnte argumentieren, dass die entsprechenden Präparate sich ja (zumindest die Komplexmittel) sowieso nicht an Hahnemanns Vorgaben orientieren (weil keine geprüften Einzelmittel) und deshalb nicht als Homöopathie durchgehen, aber das rechtfertigt nicht die großen Mengen und die unverändert und schematisch wiederholten Potenzen weder der Komplexmittel noch der Einzelmittel. Bei “Erfolg” im Sinne von ausbleibender Symptomatik sollte man sich hier tatsächlich kritisch die Frage stellen, ob es sich nicht um Unterdrückung durch eine Arzneikrankheit handelt und mit welchen Langzeitfolgen gerechnet werden muss.