Ernährung von Nager und Kaninchen

Ernährung von Nager und Kaninchen

Nager und Kaninchen gehören zur Klasse der Säuger, gehören aber, was viele nicht wissen, verschiedenen Untergruppen (Ordnungen) an. Zur Ordnung der Nager (Rodentia) gehören Hamster, Meerschweinchen, Chinchillas, Degus, Ratten, Mäuse. Kaninchen (und Hasen) gehören zur Ordnung der Hasenartigen (Lagomorpha). Der Verdauungstrakt der Nager ist auf pflanzliche Nahrung ausgerichtet, es gibt aber auch einige alles- oder vorwiegend fleischfressende Arten. Die Hasenartigen sind demgegenüber reine Pflanzenfresser. Entsprechend der bevorzugten arttypischen Nahrung haben sich jeweils Besonderheiten des Verdauungskanals herausgebildet.

Die Sache mit den Zähnen

Neben anderen Besonderheiten der äußeren Anatomie weisen die Hasenartigen im Unterschied zu den Nagern ein doppeltes Paar Schneidezähne auf, das zweite und kleinere Paar sitzt hinter dem ersten in zweiter Reihe. Bei den meisten Nagern haben nur die Scheidezähne offene Wurzeln und wachsen lebenslang nach, bei den Meerschweinchen und den Hasenartigen wachsen auch die Backenzähne lebenslang nach. Was nachwächst ohne abgenutzt zu werden, kann zu erheblichen Problemen bei der Nahrungsaufnahme bis zum Verhungern führen. Eine nicht ausreichende Abnutzung kommt infolge verbreiteter Fütterungsfehler oft vor.

Gärkammer Blinddarm

Der Magen ist in beiden Gruppen klein, meist (bei den Nagern aber nicht immer) einkammerig und einfach gebaut. Es gibt auch Kleinnager mit Vormagen. Durch zu gehaltvolle, zu konzentrierte Futtermittel kann es zur Überladung mit unerwünschter Gärung kommen, was eine Ruptur des Magens zur Folge haben kann. Nager und Kaninchen können als Pflanzenfresser im besonders entwickelten Blinddarm (Caecum) mittels symbiotischer Bakterien auch Zellulose (Pflanzenfasern) aufschließen. Der Blinddarm hat sich bei ihnen im Laufe der Evolution zu einer großen Gärkammer entwickelt. Zu viel Rohfaser im Futter kann das System aber überlasten und zu Verstopfungen im Dickdarm führen. Vor dem Verschluss kann es wiederum zu unerwünschten Gärprozesses kommen. Gärung ist immer mit Gasentwicklung verbunden. Können Gase nicht entweichen, üben sie einen enormen Druck (Schmerzen!!) auf die Wände des Verdauungstraktes und andere Organe (Zwerchfell) aus. Fehler in der Futterzusammensetzung führen leicht zu Schieflagen bei der Bakterienbesiedlung (Dysbiose).

Grundsätzlich unterscheidet sich die Problematik der Pferdefütterung nicht von der der kleinen Heimtiere. Der Magen-Darm-Trakt der Pflanzenfresser ist ein sehr störanfälliges System was Fütterungsfehler angeht. Die Folgen von Fütterungsfehlern sind die häufigste Todesursache: Fehlgärungen, Blähsucht, Verstopfung, Magendurchbruch, Mastdarmvorfall und Kreislaufversagen stellen für die kleinen Heimtiere eine tödliche Gefahr dar.

Koprophagie

Viele Arten praktizieren Koprophagie, das heißt, sie scheiden vorverdauten Darminhalt aus und nehmen diesen sog. Binddarmkot erneut auf, um ihn der endgültigen Verdauung zuzuführen. Der in Schleim eingehüllte Blinddarmkot wird nur in Ruhephasen ausgeschieden und sofort wieder aufgenommen. Diese Strategie der Koprophagie trägt entscheidend zu einer ausreichenden Versorgung mit Eiweiß und Vitaminen bei. Bei der homöopathischen Anamnese darf man hier nicht das Kotfresssen repertorisieren, da es sich um einen völlig normalen Vorgang handelt!

Dysbiose und Magen-Darm-Entzündung

Eine Dysbiose kann bakterielle und parasitäre Darmentzündungen zur Folge haben (z.B. Streptokokken- oder Kokzidieninfektionen). Es gibt natürlich auch noch “echte” Infektionen mit Keimen, die von außen in den Organismus eindringen, wie z.B. Salmonellen. Die haben dann eine Dysbiose zur Folge. Durch die Aufnahme verdorbenen, verschmutzten, erhitzten oder gefrorenen Futters kann eine Magen-Darm-Entzündung ebenfalls begünstigt werden. Die Tiere haben Fieber (kann auch fehlen), leiden unter Schmerzen (Zähneknirschen!), Appetitmangel, Apathie, gesträubtem Fell, Atemnot, übelriechendem Durchfall – auch abwechselnd mit Verstopfung. Kritisch wird es beim Auftreten von Schwäche, Lähmungen und krampfartigem Zittern. Da sich der Zustand der Kleintiere oft rapide verschlechtert, ist ein sofortoges Eingreifen von Nöten. Der Einsatz von Antibiotika ist kritisch zu beurteilen. Die homöopathische Behandlung bietet sich an.

Die Folgen von Fütterungsfehlern homöopathisch therapieren

Da die Tiere sehr empfindlich im Sinne von unerwünschten Nebenwirkungen auf schulmedizinische Medikamente reagieren, stellt die Homöopathie eine echte Alternative dar. Hier einige Mittelvorschläge ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die Individualität sollte berücksichtigt werden!

  • carb-v bei Aufblähung, Schwäche
  • nux-v bei Folgen von zu viel unpassendem, ungeeignetem Futter, Kolik
  • die gängigen Kollapsmittel bei rapider Verschlechterung des Zustandes: ars, carb-v, china, verat
  • ruta bei Mastdarmvorfall
  • china, cina bei Kokzidienbefall
  • nux-v bei Verstopfung mit häufigem und erfolglosem Drang, nur kleine Mengen,
  • op bei Verstopfung/Verschluss, kein Drang, harte/dunkle Kotballen
  • gels bei Zittern, Spasmen, Koordinationsstörungen mit Schwäche, Durchfall
  • cupr bei Kolik mit Abwehrspannung, starke (Bauch-)Krämpfe, Gastroenteritis

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