Freie Radikale: Ursache von Alterung und Degeneration?

Freie Radikale und Antioxidantien

Freie Radikale (= oxidativ wirkende Molekülbruchstücke, die ein ungepaartes Elektron besitzen) entstehen in den Zellen infolge von Stoffwechselprozessen aus molekularem Sauerstoff. Sie streben danach, schnellstens ein vollständiges Elektronenpaar zu erhalten und so in einen stabilen Zustand zu gelangen. Sie reagieren mit dem nächsten geeigneten Stoff in ihrer Umgebung, der dadurch oxidiert und verändert wird. Das kann in der Zelle z.B. die Erbsubstanz sein oder Fettpartikel der Zellwand.

UV-Strahlung, Entzündungen, Stress, Belastung mit Toxinen etc. führen zu einer vermehrten Bildung von freien Radikalen. Wobei schon die Nahrungsaufnahme und -verwertung als solche einen oxidativen Stresss für die Zellen darstellt. Vermeiden kann man die Entstehung der freien Radikale nicht!

Freie Radikale und Antioxidantien

Freie Radikale sollen an der Entstehung vieler degenerativer Erkrankungen wie z.B. Arthrose beteiligt sein, sie werden als Ursache von Alterung und chronischer Krankheit verdammt. Geschäftstüchtige Menschen leiten daraus ab, dass die Zufuhr von Radikalfängern = Antioxidantien mit der Nahrung das non plus ultra gegen Alterung, Degeneration und chronische Krankheit ist. Im Angebot sind für Mensch und Tier viele entsprechende Nahrungsergänzungen. Abgesehen davon, dass der Alterungsprozess nicht zu vermeiden ist, geht diese Rechnung aber auch was Krankheit angeht nicht auf.

Ein Antioxidans (Mehrzahl: Antioxidantien) ist eine chemische Verbindung, die eine unerwünschte Oxidation anderer Substanzen (Zellstrukturen oder auch Komponenten von Futtermitteln) gezielt verhindert.

Eine Oxidation ist eine chemische Reaktion, bei der ein Atom, Ion oder Molekül Elektronen abgibt. Übernommen wird das Elektron z.B. von Luftsauerstoff oder einem freien Radikal. Oxidation bedeutet immer Veränderung der Struktur und Funktion der oxidierten Substanz, was im Falle von Zellstrukturen ebenso wenig von Vorteil ist wie im Falle von Nährstoffen in Nahrungs- oder Futtermitteln.

Freie Radikale stärken das Immunsystem

Tatsächlich inaktivieren mit der Nahrung zugeführte Antioxidantien (Vitamin C, Vitamin E, Phenole etc) freie Radikale dauerhaft (indem sie den freien Radikalen ein Elektron abgeben) und machen sie so unschädlich. ABER: Neben den möglichen Schäden an gesunden Strukturen sorgen die freien Radikale auch für eine Stärkung der Immunabwehr, das aber erst ab einer gewissen Konzentration. In niedriger Konzentration bleibt diese positive Wirkung der freien Radikale aus, in höherer Konzentration werden Abwehrreaktionen gegen die freien Radikale ausgelöst.

Werden nun große Mengen von Antioxidantien mit der Nahrung zugeführt, bringt man den körpereigenen Regulationsmechanismus durcheinander. Die Konzentration der freien Radikale sinkt und die Stärkung der Abwehr bleibt aus. So erklärt sich das Ergebnis einer Studie, wonach die Häufigkeit der Krebserkrankungen wider Erwarten durch die forcierte Versorgung mit Antioxidantien nicht sinkt sondern steigt. Tatsächlich vernichten freie Radikale anscheinend Krebszellen.

Der Organismus produziert Antioxidantien im Stoffwechsel

Es wäre erstaunlich, wenn der Organismus selbst keine Maßnahme gegen die anfallenden freien Radikale ergeifen könnte, um das erwünschte Gleichgewicht aufrechterhalten zu können. Und so ist es auch: endogen produzierte Antioxidantien sorgen dafür, dass freien Radikale, die im Stoffwechsel entstehen, nicht überhand nehmen. Glutathion, Harnsäure, Melatonin, Transferrin, Albumin, Coeruloplasmin, Hämopexin und Haptoglobin wirken antioxidativ. Außerdem gibt es antioxidative Enzyme: Superoxiddismutase (SOD), Glutathionperoxidase (GPX) und Katalase inaktivieren freie Radikale in den Körperzellen.

Für ihre enzymatische Aktivität sind die Spurenelemente Selen, Kupfer, Mangan und Zink wichtig. Diese Spurenelemente sind Bestandteil der Enzyme. Mit anderen Worten: ohne die Spurenelemente funktionieren die Enzyme nicht. Die Spurenelemente haben darüber hinaus aber auch noch andere Funktionen im Stoffwechsel.

Selen, Kupfer, Mangan und Zink sind KEINE Antioxidantien

Sie müssen immer in ausreichender Menge mit der Nahrung zugeführt werden, wobei die Mengen im Mikrogramm-Bereich liegen. Überdosierungen sind ebenso schädlich wie Unterversorgungen. Aus der Beteiligung an antioxidativen Prozessen abzuleiten, dass ein Mehr an diesen Spurenelementen der Zellzerstörung vorbeugt, ist ebenso absurd wie gefährlich! Die Spurenelemente sind Bestandteile antioxidativ wirkender Enzyme, das bedeutet aber nicht, dass mehr dieser Enzyme gebildet werden, wenn größere Mengen dieser Spurenelementen zugeführt werden.
Besonders Selen wird fälschlicherweise gerne als Antioxidans vermarktet. Selen ist in höheren Konzentrationen stark toxisch, wobei die Spanne zwischen Konzentrationen, die Mangelerscheinungen hervorrufen, und toxischen Konzentrationen sehr gering ist. Zudem ist die Toxizität von Selen abhängig von der chemischen Bindungsform. Also Vorsicht vor Überdosierungen!! Selen ist in Form von Selenhefen im Angebot.
Ein antioxodativ wirkendes Coenzym ist Ubichinon-10. Es wirkt paradoxerweise auch als Oxidans!

Vitamine als Antioxidantien

Für den Säugetierorganismus essentiell und antioxidativ wirksam sind Ascorbinsäure = Vitamin C (für Mensch und Meerschwein)), Tocopherol (Vitamin E) und Betacarotin (Provitamin A). Sie müssen mit der Nahrung zugeführt werden, da sie im Stoffwechsel nicht gebildet werden können. ABER: in hoher Dosierung entfaltet auch Vitamin C anscheinend eine oxidative Wirkung – also ganz entgegengesetzt der eigentlichen Absicht einer erhöhten protektiven Zufuhr.
Vit. E ist als fettlösliches Antioxidans in der Lage, mehrfach ungesättigte Fettsäuren in Zellwänden und anderen Zellstrukturen vor Oxidation zu schützen, indem es freie Radikale abfängt.
Vitamin C oxidiert leicht und bietet sich so als „Opfer“ für die freien Radikale in wässrigem Milieu an, indem es Elektronen abgibt. Auch das Betacarotin wirkt als Antioxidans in wässrigem Milieu.

Was wirkt tatsächlich antioxidativ?

Während die Zufuhr von Vit. C und E bzw. Betacarotin also tatsächlich direkt eine antioxidative Wirkung hat, ist das bei Selen und den anderen Spurenelementen nicht der Fall. Sie selbst haben keinerlei antioxidative Wirkung – nur die Enzyme, deren Bestandteil sie sind. Die Produktion dieser Enzyme läßt sich aber nur ankurbeln, wenn sie infolge eines Spurenelementmangels vermindert ist. Womit wir beim Problem der zweifelsfreien Feststellung eines Mangels sind. Untersuchungen zu Selen bei Pferden z.B. zeigen, dass die Aktivität der Enzyme NICHT mit der Plasmakonzentration des Selens korreliert, dass trotz niedrigem Plasmaspiegel die Enzymaktivität normal sein kann und sich auch sonst keine gesundheitlichen Probleme zeigen.

Dass Vitamin E und A ebenfalls essentielle Nahrungsbestandteile sind, ist keine neue Erkenntnis. Auch hier wieder der Hinweis, dass die Beteiligung an antioxidativen Prozessen keine Rechtfertigung dafür sein kann, die (fettlöslichen und damit im Körper kumulierenden) Vitamine im Übermaß zuzuführen.

Sowohl für Ubichinon wie Vit. C ist bekannt, dass eine Überdosierung sich in unerwünscht odixidativer Wirkung zeigen kann!

Kursempfehlung für mehr Infos zum Thema