Gallen – ein typisches Pferdeproblem

Homöopathische Behandlung der Gallen

Pathologie der Gallen

Gallen sind ein typisches Problem des Bewegungsapparates des Pferdes. Synonyme: Hydrops/Hygrom/Synovialitis. Es handelt sich um Gelenkergüsse, die in aller Regel aseptisch (keimfrei und ohne Entzündungsprodukte) sind und keine Schmerzen oder anderweitige Beschwerden hervorrufen.

Die gleiche Pathologie ist an Schleimbeuteln und Sehnenscheiden möglich, an allen mit Synovialis ausgekleideten Hohlräumen. Andere Bezeichnungen für die Synovialis: Synovialmembran, Gelenkschleimhaut, Gelenkinnenhaut, Membrana synovialis. Die Synovialis produziert die Gelenkflüssigkeit (Synovia), eine seröse (klare, wässrige) Flüssigkeit, die Zucker und Eiweiß enthält.

Im Fall der Gallen produziert die Synovia durch eine Reizung zuviel Gelenkschmiere – aber ohne auffällige Veränderung der Zusammensetzung. Auslöser  der Reizung der Gelenkinnenhaut kann z.B. ein Trauma, eine Fehlstellung, eine Überlastung oder der Zustand nach abgeheilter Arthritis sein. Die Ausbuchtungen an den Gelenken können sich nur dort zeigen, wo die Gelenke nicht straff umschlossen von Sehnen und Bändern sind. Daher zeigen sie sich immer an typischen Stellen.

Erguss der Sprunggelenkskapsel = Kreuzgalle
Erguss des Schleimbeutels am Ellbogenhöcker = Stollbeule
Erguss des Schleimbeutels, der auf dem Fersenbeinhöcker direkt unter der Haut liegt = Piephacke

Die passende homöopathische Arznei finden

Die erfolgreiche homöopathische Therapie setzt voraus, dass wir die Krankheit des Patienten in ihrer Gesamtheit erfassen. Wie es mit der Pathologie aussieht, was sich hinter dem Begriff Galle versteckt, das wissen wir nun. Wie setzten wir das aber um in Repertoriumsrubriken? Wir suchen ja ein Mittel, das neben den ganz individuellen Symptomen des Patienten auch die Pathologie abzudecken imstande ist.

Gallen im Repertorium?

Im Repertorium gibt es den Begriff Galle nicht, auch unter dem Begriff Gelenkerguss wird man nicht fündig. Vom Hygrom wird man im Repertorium (Hydrops gibt es nur beim Ohr) zu folgender Rubrik weitergeleitet:

Extremitäten – Entzündung – Gelenke – Synovitis (was gleichbedeutend mit Synovialitis = Entzündung der Gelenkinnenhaut ist)
Acon. ant-t. apis arn. bell. berb. bry. calc. calc-f. canth. caust. ferr-p. fl-ac. Hep. iod. kali-c. kali-i. led. lyc. merc. myris. phyt. puls. rhus-t. ruta Sabin. sep. sil. slag stict. sulph. verat-v.

Trifft diese Rubrik aber unsere Gallen-Problematik? Zu beachten ist, dass es sich bei den Gallen um aseptische Gelenksergüsse handelt. Der Pathologie der Gallen entsprechend kommen Mittel mit Bezug zu den serösen Häuten aus dieser Rubrik infrage. Die Mittel, die septische Entzündungen und Eiter abdecken (z.B. hep, myris, puls und sil) passen eher nicht.

Hier eine Allgemeinrubrik mit Bezug zu den serösen Häuten, die allerdings auch wieder die Beteiligung von Erregern nicht ausschließt und den Erguss nicht zwingend abdeckt. Die Gelenkinnenhaut zählt mit den Schleimhäuten und Bauch- und Brustfell zu den serösen Häuten, weist aber einen unterschiedlichen Aufbau auf.

Allgemeines – Entzündung – serösen Häute; der
abrot. Acon. am-c. ant-t. APIS Apoc. arg-met. ARS. ars-i. asaf. Asc-t. Aur. aur-ar. aur-i. Aur-m. aur-s. bell. BRY. CALC. calc-p. canth. Carb-v. colch. ferr. fl-ac. HELL. indg. Iod. Kali-c. lac-ac. lach. Led. LYC. mag-m. Merc. Nat-m. Ph-ac. Phos. plat. Psor. Puls. rhus-t. samb. seneg. SIL. Squil. Stram. sul-i. Sulph. Ter. zinc.

Kombiniert man in der Suche seröse Häute und Erguß finde man nur eine Rubrik:

Allgemeines – Entzündung – serösen Häute; der – Erguß; mit    
apis

Das klingt zwar sehr gut, leider ist die Rubrik mit einem Mittel aber sehr klein. Und es ist sicherlich nicht so, dass Apis alle Gallen heilen könnte und nicht auch andere Mittel passen könnten. Welche Mittel könnten im Einzelfall außerdem noch infrage kommen? In welche Richtung können wir noch suchen?

Forschen wir weiter unter serösen Häuten/Synovialhäuten, stoßen wir auf folgende Rubriken:

Allgemeines – Wassersucht – Innere Wassersucht – seröse Häute
apis bry. Chel. colch. med. ran-b. sulph.

Wir haben hier die wässrige Absonderung der serösen Häute ohne Entzündungsprodukte, was dem Geschehen bei den Gallen, entspricht. Von der Pathologie her stimmt es, erfaßt sind hier aber wohl eher Probleme von Bauch- und Brustfell.

Allgemeines – Schleimhäute; Beschwerden der – serösen Häute; der
abrot. acon. ant-t. apis ars. Bry. canth. colch. Dulc. hell. kali-c. lac-ac. lyc. merc. ran-b. rhus-t. sabin. seneg. sil. squil. sul-i. sulph.

Auch in dieser Rubrik könnten passende Mittel für des Gelenkerguss zu finden sein. Bei der Galle handelt es sich um eine Beschwerde einer serösen Haut.

Schaut man sich die Rubriken an, fallen 2 Mittel immer wieder ins Auge: apis, bry.

Apis: …ausschwitzende Prozesse der serösen Häute (Meningen, Pleura, Perikard, Peritoneum, Synovia der Gelenke und dergleichen)
Bryonia:…Entzündete Synovialhäute der Gelenke, geschwollen….Die serösen Häute sind entzündet, sie sind der Sitz von scharfen, stechenden Schmerzen, agg. durch Bewegung; später tritt Exsudation auf….Es findet also Erguß in den Synovialsack statt…

Apis und Bryonia sind sicherlich die beiden Mittel mit dem größten Organbezug zu den serösen Häuten im  Allgemeinen und zur Exsudation – was nicht ausschließt, dass im Einzelfall ein ganz anderes Mittel aus den genannten Rubriken infrage kommen kann.

Ergänzt um Causa (Druck, Schlagverletzung, Arthritis……), Modalitäten und Lokalisation hat man ausgehend von den aufgeführten Rubriken gute Chancen ein für den Einezlfall passendes Mittel zu finden.

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