Konservierung von Futtermitteln

Ohne Haltbarmachung geht nichts

Die Haltbarmachung von Futtermitteln unterliegt den gleichen Grundsätzen wie die der Lebensmittel. Fertigfuttermittel für Hunde und Katzen sind Fleischzubereitungen, also hinsichtlich des mikrobiellen Verderbs besonders kritisch zu beurteilen.

Pasteurisierung und Sterilisierung

Pasteurisierung ist die kurzzeitige Erwärmung (15 Sekunden bis wenige Minuten) von flüssigen oder pastösen Lebensmitteln auf Temperaturen von mindestens 60 °C (klassisches Verfahren von Pasteur) bis maximal 100 °C (Hochpasteurisieren) zur Abtötung der vegetativen Phasen (=Wachstumphasen) von Mikroorganismen. Mittels Pasteurisierung wird schonend haltbar gemacht.  Die Produkte sind keimarm aber nicht keimfrei!

Milchsäurebakterien und Hefen sowie viele krankheitserregende Bakterien wie Salmonellen werden zuverlässig abgetötet. Hitzeresistente Bakteriensporen wie die von Clostridium botulinum, die Erreger der Paratuberkulose sowie Sporen einiger Schimmelpilze werden nicht zuverlässig abgetötet. Sie überleben die Pasteurisierung teilweise. Die Rohware sollte daher möglichst keimarm sein.

Nährwert, Geschmack und Konsistenz der Rohware werden durch die Pasteurisierung nur unbedeutend verändert. Da sie nicht keimfrei sind, müssen pasteurisierte Lebensmittel im Regelfall gekühlt gelagert werden und sind dann einige Tage bis einige Wochen haltbar.

Mit der Sterilisation bei Temperaturen von über 100 °C werden auch die hitzeresistenten  Bakteriensporen abtötet. Sterilisierte Produkte können erheblich länger und ungekühlt gelagert werden als pasteurisierte Produkte, verändern durch die Steriliation ihren Nährwert und verlieren an Geschmack.

Welche Konservierung für welches Futter?

Dosenfutter:  Die kalt abgefüllten Dosen werden hitzebehandelt. Wegen der langen Verweilzeit in Groß- und Einzelhandel bei z.T. recht ungünstigen Lagerbedingungen wird der Sterilisation der Vorzug gegeben. Das so behandelte Dosenfutter ist eine Vollkonserve. Pasteurisiertes Dosenfutter ist demgegenüber eine Halbkonserve mit eng begrenzter Haltbarkeit.

Trockenfutter wird zusätzlich zur Hitzebehandlung chemisch konserviert. Chemisch konserviert bedeutet mindestens Zusatz von mikrobiell/synthetisch hergstelltem Vitamin E als Oxidationshemmer. Produkte, die nicht derartig behandelt sind, kommen überhaupt nicht in den Handel. Sie wären eine mikrobielle Zeitbombe, die keine Überwachungsbehörde durchgehen läßt. Der Brei, aus dem die Brocken geformt werden, mag nach der Hitzebehandlung keimfrei sein, ob es das Futter nach abgeschlossenem Herstellungsprozess und Abfüllen noch ist, ist zumindest fraglich. Außerdem muß eine Mindesthaltbarkeit eingehalten werden und die geöffnete Verpackung darf auch  beim Endverbraucher  nicht zu schnell verderben.

Extrusion und Expansion

Die Herstellung von Trocken(Misch)futter läuft immer nach folgendem Schema ab:  Rohstoffe werden fein vermahlen und (als Brei) vermischt und verknetet. Dann wird hitzebehandelt, in Form gebracht und getrocknet.  Die Prozesse können unterschiedlich kombiniert werden.

Pelletierung und Extrusion (=das Herauspressen eines Produktes durch eine Düse/Loch/Schlitz, um eine bestimmte Form zu erzielen) sind  Methoden der Formgebung und lassen zunächst keine  Aussage über die Hitzebehandlung zu, die ein Produkt erfahren hat.

Im Rahmen der Vorbehandlung kann Erhitzung und Bedampfung integriert werden, die neben der Erzielung von Keimfreiheit z.b. Getreidebestandteile aufschließt und damit erst verdaulich machen. Wird durch gezielten Einsatz von Feuchtigkeit, Temperatur und Druck die Struktur der Nährstoffe mit dem Ziel besserer Verdaulichkeit verändert, spricht man von Expansion (=Erweiterung).  Proteine werden dabei denaturiert und sind so entgegen aller Werbeaussagen der Hersteller für Hund und Katze schlechter verdaulich!!

Verhalten von Stärke beim Erhitzen (Verkleisterung)

Rohe Stärke ist für Mensch und Tier nicht verdaulich, sie muss erhitzt werden um verwertet werden zu können.

Stärke kann unter Hitzeeinwirkung ein Vielfaches ihres Eigengewichtes an Wasser aufnehmen, aufquellen und verkleistern. Der Stärkekleister hat ein Steifungsvermögen.  Verkleisterte Stärke und geronnenes Klebereiweiß bilden die Basisstruktur oder Krume von Gebäcken jeder Art. Diese Eigenschaften erklären u.a., warum Stärke (bzw. Getreidemehle) für die Trockenfutterherstellung  so beliebt ist.

Beim Überhitzung von Stärken entsteht in Gegenwart der Aminosäure Asparagin  Acrylamid, das als krebsauslösend gilt.

Denaturierung von Eweiß durch Hitze

Denaturierung bedeutet Änderung der Struktur des Eiweiß. Das kann erwünscht oder unerwünscht sein.

Enzyme sind Proteine, sie verlieren durch die Denaturierung ihre Aktivität. Bei in der Nahrung unerwünschte Enzymen und Krankheitstserregern wird das begrüßt.

Grundsätzlich kann die Deanturierung auf verschiedenen Wegen herbeigeführt werden: physikalisch durch Hitze oder chemisch durch Säure oder Lauge. Die Denaturierung durch Säure findet ganz physiologisch im Magen statt, die Denaturierung durch Hitze bei der Hitzebehandlung eines Futtermittels. Die Art und Weise der Denaturierung unterscheidet sich aber und das erklärt, warum durch die Denaturierung im Magen die Verdaulichkeit steigt, während die Denaturierung durch Hitze die Löslichkeit des Proteins verringert (Protein flockt aus) und die Verdauung erschwert. Bei der Denaturierung durch Säure werden chemische Verbindungen geknackt (Primärstruktur wird verändert), bei der Denaturierung durch Hitze werden Molekülketten neu vernetzt (Primärstruktur bleibt unverändert, Tertiärstruktur wird verändert).

Hitze verändert Farbe, Konsistenz, Geruch und Geschmack

Ob das toleriert wird oder zum Einsatz „ausgleichender“ Zusätze führt, bestimmt der Tierbesitzer durch seine Kaufentscheidung. Gegartes Fleisch z.B.  ist nun einmal grau-braun. Kosmetische Veränderungen, die den Nährwert und die Haltbarkeit des Futtermittels nicht positiv beeinflussen, sind vollkommen unnötig. Außer man besteht auf einer bestimmten Farbe, einer bestimmten Konsistenz. Darauf besteht aber in erster Linie der Tierbesitzer und Käufer und nicht das Tier.

Kritischer wird es bei Geruch und Geschmack. Sie bestimmten die Akzeptanz seitens des Tieres. Die Akzeptanz mit potentiell gesundheitssschädigenden Zusatzstoffen zu erkaufen bzw. minderwertige Zutaten damit aufzumotzen kann aber nicht das Bestreben des verantwortungsbewussten Tierbesitzers sein.

Vielen Tieren geht es wie den Menschen. Den normale Geruch und Geschmack unbehandelter Nahrungsmittel nehmen sie kaum noch wahr bzw. sind ihn nicht mehr gewohnt, weil alles mit Aromen und Geschmacksverstärkern versetzt wird. Damit hat so mancher Tierbesitzer zu kämpfen, der die Fütterung auf Bio umstellen möchte. Nimmt man sich Zeit für eine lange Umgewöhnungszeit, dürfte das Problem zu lösen sein. Es ist ein gesundheitsfördernder Umerziehungsprozess, der gewisse Zeit in Anspruch nimmt.

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