Leishmaniose-Prophylaxe

Dieser Beitrag ist Teil 6 von 6 in der Serie Leishmaniose

Die beste Prophylaxe ist die Vermeidung von Sandmückenstichen

Leicht gesagt in Endemiegebieten, in denen sich die Sandmücke breit macht. In unseren Breiten bereitet die Sandmücken (noch) keine Probleme, reist man mit Hund in Länder/Regionen mit hohem Sandmückenaufkommen oder ist dort zuhause, kann die Sandmücke als Vektor der Leishmaniose schon Kopfschmerzen bereiten.

Neben einfachen  aber durchaus wirkungsvollen Verhaltensmaßmahmen kommen natürlich die Insektizide ins Spiel. Und auch eine Impfung ist im Angebot. Homöoprophylaxe ist ebenfalls möglich. Insektizide und Impfung sind nicht frei von Nebenwirkungen und der Einsatz sollte unter Berücksichtigung der Gegebenheiten sorgfältig abgewogen werden. Natürliche Repellentien sind weniger wirkungsvoll und ihre Wirkung hält nicht lange an.

Vernichtung der Sandmücke durch Pyrethrine und Pyrethoide

Eine Abwehr bzw. Tötung muss  durch die Indektizide erfolgen BEVOR die Mücke sticht, es kommen also Insektizide zum Einsatz, die die Mücke bei Kontakt mit Haar/Haut aus dem Verkehr ziehen.  Und da kommen nur Pyrethrum/Pyrethrine oder synthetische Pyrethroide infrage, da sie einen ausgeprägten Knock-down-Effekt zeigen und die Insekten bei Kontakt sehr schnell lähmen und damit den Stich verhindern. Ein Nebeneffekt ist die repellierende Wirkung.

Für Hunde zugelassen und für die Mückenabwehr  im Einsatz sind in Deutschland ein Halsband und Spot-on:

  • Das Halsband Scalibor®  mit dem Wirkstoff Deltamethrin (für Katzen toxisch, bei gleichzeitiger Katzenhaltung und Kontakt mit Kleinkindern ist der Einsatz kritisch zu betrachten) – alle 6 Monate wechseln, 1 Woche vor Reiseantritt anlegen.
  • Das Spot-on-Präparat  Advantix® mit den Wirkstoffen Permethrin und Imidacloprid – alle 2 Wochen wiederholen, 24 Std. vor Ausreise anwenden. Auch hier ist der Einsatz bei gleichzeitiger Katzenhaltung und Kinderkontakt kritisch zu sehen.

Über Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen geben die verlinkten Gebrauchsinformationen Auskunft.  Eine Gegenüberstellung der gängigen Parasitika (auch Scalibor® und Advantix®) und ihrer Einsatzmöglichkeiten gibt es im Beitrag über die Flohmittel.

Der Einsatz natürlicher Repellentien ist ebenfalls möglich, hat den Nachteil, dass natürliche Pyrethrine stark UV-anfällig sind und das generell bei den natürlichen Repellentien nur eine kurze Wirkungsdauer gegeben ist.  Siehe dazu auch den Artikel über die pflanzlichen Repellentien.

Canileish® – die  ganz andere Impfung

Üblicherweise ist das Ziel einer Impfung die Antikörperbildung.  Bei der Leishmaniose-Prophylaxe  macht das keinen SInn, da die Antikörper die  Erreger in den Zellen nicht erreichen und vernichten können, ein Zuviel an Antikörper durch Immunkomplexbildung  sogar zu dramatischen Krankheitsverläufen führen kann.

Canileish® soll keine schädigende Antikörperbildung auslösen.   Ziel der seit 2012 zugelassenen Impfung ist es, die zellvermittelte  Immunantwort auf den Erreger zu stärken.  Hier soll ganz  ganz gezielt nur ein Teil der adaptiven Immunantwort angesprochen werden und zwar die zellvermittelte Immunreaktion.  Canileish ist eigentlich ein Zwischending zwischen Immunmodulator und Impfstoff. Es ist jedenfalls kein Impfstoff der üblichen Art.

Tatsächlich ist es den Wissenschaftler wohl gelungen, DNA-Abschnitte aus Leishmanien zu isolieren und auszuwählen, die  durch Aktivierung der adaptiven zellvermittelten Abwehr den Ausbruch der Erkrankung nach Infektion verhindern können. Ganz ohne Antikörperbildung läuft aber auch diese Impfung nicht ab, wie den Herstellerinformationen zu entnehmen ist:

„Die Impfung führt zu einer zellvermittelten Immunität, welche sich äussert durch
– die Bildung von spezifischen IgG2 Antikörpern, die gegen durch Leishmania infantum sezernierte Proteine gerichtet sind
– die Steigerung der leishmaniziden Aktivität von Makrophagen
– eine T-Zell Lymphoproliferation mit Sekretion von γ-Zytokinen
– eine aktive T-Zell-vermittelte Immunantwort, welche gegen Leishmania Antigene gerichtet ist (Hauttest).“

Im Experiment konnte der Impfstoff jedenfalls auch bei höchster Dosierung  die Erreger nicht vollständig eliminieren aber die Erregerkonzentration nach Infektion so weit absenken, dass keine Erkrankung ausbrach.

Nur gesunde Tiere impfen. Vor der Impfung wird zur Feststellung einer Leishmanien-Infektion ein serologischer Schnelltest empfohlen.
Die Wirksamkeit der Impfung bei Hunden, die bereits infiziert sind, wurde nicht untersucht und eine Impfung kann deshalb nicht empfohlen werden. Bei Hunden, die trotz Impfung eine Leishmaniose entwickeln (aktive Infektion öund/oder Erkrankung), zeigten weitere Impfungen keinen Nutzen. Die Impfung bei Hunden, die bereits mit Leishmania infantum infiziert waren, führte zu keinen anderen als den unter „Unerwünschte Wirkungen“ beschriebenen Reaktionen.“  info Virbac

Geimpft werden sollten nur asymptomatische, seronegativ getestete Hunde!

Da negativ getest nicht gleichbedeutend mit nicht infiziert ist und von der Impfung infizierter Hunde abgeraten wird, ist hinter die Impfung ein dickes Fragezeichen zu setzen – vor allem in einem Endemiegebiet, in dem in der Mückensaison täglich Infektionsgefahr besteht und der Test von gestern schon überholt sein kann.

Als alleinige Schutzmaßnahme reicht die Maßnahme jedenfalls nicht aus.

Begegnungen mit Sandmücken vermeiden

Hier in Kürze Hinweise, wie und wo man den Stechern entgehen kann. Ganz ausführliche Infos dazu gibt es auf der Seite von Parasitus.ex.

Je nach Region tauchen die Sandmücken im April/Mai auf und zwar, wenn die niedrigste Nachttemperatur drei Nächte in Folge 20° C erreicht. Umgekehrt verschwinden sie, wenn die Nachttemperatur unter 15º absinkt, je nach Region im Oktober/November.

Sandmücken sind ganz streng nachtaktiv. Sie starten eine Stunde vor Sonnenuntergang durch und stellen ihre Flugaktivtät 1 Stunde vor Sonnenaufgang ein. In dieser Zeit sollte man den Hund also idealerweise im Haus halten. Moskitonetze vor Fenstern und Türen verhindern nächtliches Eindringen.

Sandmücken mögen keinen WInd und brauchen als Brutstätten feuchte Plätze.  In unmittelbarer Strandnähe ist man wegen des Windes sicher vor Sandmücken. Auch erfolgt im Sand keine Eiablage.

Die Flughöhe der Sandmücken beläuft sich in der Regel auf max. 2 Meter, ab dem 2. Stock besteht wenig Gefahr, von einer Sandmücke gestochen zu werden.  Außer man lockt sie mit dem künstlichen Licht von Glühbirnen an, dann fliegen sie auch 8 m hoch. Hier hilft der Austausch der herkömmlichen Glühbirnen gegen Energiesparlampen, Neon- oder Quarzlampen.

Außerdem fliegen die Sandmücken nur schlafende Opfer an. Sie brauchen für die Blutmahlzeit einige Minuten und der Stich ist schmerzhaft. In wachem Zustand würde das Opfer die Mücke wohl abwehren und sie so um ihre Mahlzeit bringen.

Einige einfache Maßnahmen können also das Risiko von Sandmückenstichen und damit von Leishmanien-Infektionen ganz erheblich senken. Was man zusätzlich macht – Einsatz von Insektiziden und/oder Impfung – hängt von den Umständen des Einzelfalls ab, vom Risiko, von der Aufenthaltsdauer im Endemiegebiet und von persönlichen Vorlieben oder Abneigungen. Eine 100%ige Sicherheit geben weder die Insektizide noch die Impfung und keine wirksame Maßnahme ist nebenwirkungsfrei.

Nebenwirkungen der Pyrethroide sind homöopathisch als Arzneikrankheiten therapierbar, Impffolgen als Impfkrankheiten – wobei die individuelle Symptomatik ausschlaggebend für die Mittelwahl ist.

Homöopathie und Insekten

Es gibt durchaus auch homöopathische Mittel, die zur Stichprophylaxe  eingesetzt werden. Empfohlen wird gegen Insektenstiche zur Vorbeugung (aus: Mateu M. ,  Erste Hilfe durch Homöopathie) :

  • Staphisagria D6 alle 8-12 Std,
  • Ledum C200, 3 Gaben im Abstand von jeweils 4 Std. oder
  • Ledum C30 alle 8-24 St. mit Beginn 2-3 Tage VOR Reiseantritt..<

Der erste Stich der Sandmücke sensibilisiert, spätere Stiche zeigen sich als rosa-rote  2-3mm große Papeln (Knötchen), die sich nach einigen Tagen zurückbilden. Der Juckreiz ist unterschiedlich ausgeprägt. Die Sandmücken stechen gerne an dünn behaarten Körperstellen: im Bereich des Fangs, um die Augen und an den Ohren.

Ledum deckt schmerzhafte, juckende Stiche mit Entzündungsreaktionen ab.

Zur Einschätzung der Impfung aus homöopathischer Sicht gibt der Beitrag Impfungen Auskunft.

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