Wie die Leishmaniose therapiert wird

Dieser Beitrag ist Teil 5 von 6 in der Serie Leishmaniose

Leishmanizide oder leishmaniostatische Therapie oder Immunmodulation?

Grundsätzlich gibt es 3 ganz unterschiedliche Therapieansätze: Entwicklungshemmung der Leishmanien durch Leishmaniostatika, Abtöten durch Leishmanizide oder Immunmodulation. So vielfältig wie die Infektions-/Erkrankungsverläufe  sind die Therapiempfehlungen. Die Medikamente haben z.T. massive Nebenwirkungen und können nicht bei jedem Hund zum Einsatz kommen. Der Erfolg der Behandlung hängt immer auch vom Immunstatus des Hundes und vom Stadium der Erkrankung ab. Auch sind gute Therapieerfolge, die in einem Land mit einem Medikament bzw. einer Medikamenten-Kombination erzielt wurden, nicht unbedingt auf andere Regionen übertragbar, da dort andere L. infantum-Stämme für die Leishmaniose verantwortlich sind.

Ganz wichtig zu wissen: KEINE Therapie führt zu einer vollständigen Eliminierung des Erregers.

Alle für den Einsatz beim Hund verfügbaren Wirkstoffe sind für den Einsatz beim Menschen entwickelt worden, viele dienten dabei ursprünglich einem ganz anderen Zweck als der Leishmanien-Bekämpfung. Einige Medikamente haben sich lange bewährt, andere wirken weniger zuverlässig, sind aber auf jeden Fall einen Versuch wert. Für die Anwendung beim Hund müssen die Human-Medikamente oder für eine andere Tierart zugelassenen Medikamente vom Tierarzt umgewidmet werden. Es sind auch nicht alle Medikamente in Deutschland zugelassen.

Die leishmaniziden Antimonverbindungen

Die Medikation der ersten Wahl sind die 5-wertigen Antimonverbindungen N-Methylglucamin-Antimonat und Natriumstibogluconat. Sie wirken leishmanizid, töten Leishmanien ab.

N-Methylglucamin-Antimonat (Glucantime® ) ist das erste  Mittel in der Behandlung der Leishmaniose. Das Medikament wird seit 50 Jahren bei Mensch und Tier eingesetzt, es wird über erste Resistenzen berichtet.

Glucantime®  greift in den Stoffwechsel der Leishmanien ein, hemmt die im Parasiten ablaufende Glykolyse und den Fettsäureabbau, wodurch die Leishmanien absterben.

Das Medikament wird nicht im Darm resorbiert und muss daher injiziert werden (s.c. wird empfohlen) und zwar an 20 bis 30 aufeinanderfolgenden Tagen. Nebenwirkungen: schmerzhafte Schwellungen im Bereich der Injektion beschrieben, außerdem Magen-Darm-Beschwerden.

Glucantime® wird gerne in Kombination mit anderen Medikamenten (nicht mit anderen Antimonen) eingesetzt.

Natriumstibogluconat (Pentostam®) wird über28 Tagen  intravenös oder intramuskulär injiziert. Nebenwirkungen können unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Arthralgien, Myalgien und Anorexie sein. Die intramuskuläre Injektion ist darüber hinaus sehr schmerzhaft. Bei schweren Nieren-, Herz- und Lebererkrankungen darf das Medikament nicht eingesetzt werden.

Das Leishmanistatikum Allopurinol

Aufgrund der guten Verträglichkeit wird  Allopurinol (eigentlich ein Mittel bei Gicht) gerne als Alternative zu den  o.g. Präparate eingesetzt.  Allopurinol wirkt leishmanistatisch, es hemmt die Synthese von Purinen im Wirtsorganismus. Da Leishmanien nicht in der Lage sind, diese Purine selbst herzustellen und auf eine Versorgung über den Wirt angewiesen sind, werden sie durch den MAngel an Purinen in ihrer Entwicklung gehemmt. Bei leichten Infektionen wird Allopurinol gerne bis zur Normalisierung des LAT eingesetzt. Da Allopurinol lediglich die Vermehrung hemmt, wird es bei schwereren Infektionen (hohem Titer) meist mit anderen Medikamenten kombiniert, die leishmanizid wirken.

Allopurinol  ist wesentlich kostengünstiger als die Antimonpräparate und es ist leicht oral zu verabreichen. Vorsicht ist nur bei Patienten mit Nieren- oder Leberschäden geboten, die öfter kontrolliert werden sollten.

Man liest, dass Allopurinol zu ähnlichen Erfolgen wie die Antimon-Präparate führen soll, aber auch, dass es alleine nicht effektiv genug sei und mit Glucantime® kombiniert  bessere Resultate erzielt werden  als mit Glucantime® alleine. Letztlich hängt das wohl vom Immunstatus des Patienten ab und vom Stadium der Erkrankung. Auch die Kombinationstherapie mit Miltefosin wird empfohlen.

Hier der Link zur Veröffentlichung einer deutschen Studie über den EInsatz von Allopurinol in Nicht-Endemiegebieten bei inapperenter, subklinischer und klinischer Infektion.

Andere Leishmanizide

Miltefosin (Hexadecylphosphocholin) – Milteforan®: M.  wird  in der Humanmedizin zur Behandlung von Hautmetastasen bei Brustkrebs, des kutanen T-Zell-Lymphoms und der viszeralen Leishmaniose angewendet. Es hat sich auch beim Hund als wirkungsvoll in der Leishmaniosebehandlung erwiesen.

Pentamidin: P. ist seit 1930 bekannt. Es wird üblicherweise als Antiprotozoikum eingesetzt. Nebenwirkungen: u.a. Pankreatitis, Diabetes mellitus. Trotz der häufigen und schweren Nebenwirkungen hat es einen festen Platz  in der Leishmaniose-Therapie, wenn andere Therapien versagen oder nicht vertragen werden.

Antibiotika, Antimykotika und Anthelmintika: Bei Auftreten von Resistenzen gegen eine Kombinationstherapie oder einen der anderen Wirkstoffe besteht die Möglichkeit des Einsatzes der Antimykotika Amphotericin B und Ketoconazol oder des Antibiotikums Aminosidin = Paromomycin. Eine andere Alternative stellt Levamisol dar. Es ist seit 1978 bekannt  als  Anthelmintikum und wird ebenfalls erfolgreich bei Leishmaniose eingesetzt wird. Es kann oral oder parenteral verabreicht werden und wirkt u.a.  auch gegen Lungen- und Herzwürmer (Dirofilarien). L. ist neben Allopurinol das kostengünstigste Leishmaniose-Medikament.

In jedem Fall ist die Auswahl der Medikamente sehr sorgfältig und auf die individuellen Gegebenheiten abgestimmt vorzunehmen. In der Regel werden die Medikamente/Kombinationen  kurmäßig über mindestens 1 Monat bis mehrere Monate gegeben.  Für eine Dauermedikation eignet sich nur Allopurinol. Darüber, ob eine solche Dauermedikation Sinn macht oder nicht, scheiden sich die Geister, beides wird praktiziert. Die Mindestbehandlungsdauer wird für Allopurinol mit  6 Monaten angegeben.

Immunmodulation

Ziel der Immunmodulation ist es, die Aktivitäten der zellvermittelten Abwehr anzuregen, da nur diese den Erreger tatsächlich bekämpfen kann.  Zur Immunmodulation kommen  Interferon oder das Präparat Leisguard® (Domperidon) zum Einsatz.

Domperidon ist eigentlich ein bewährtes Antiemetikum. Es wird eingesetzt bei Störungen der Magen-Darm-Motorik und wirkt Übelkeit und Brechreiz entgegen. Nebenwirkungen: Erhöhung des Prolaktinspiegel und  schwerwiegende Herzrhythmusstörungen. Es sollte nicht eingesetzt werden bei Leberfunktionsstörungen.
Die Wirkung bei Leishmaniose beruht auf einer Anregung der zellvermittelten Immunantwort mit Aktivierung von natürlichen Killerzellen, Makrophagen und vermehrter Interferon- und Interleukinbildung.  Mit einmonatiger Gabe konnte  deutliche klinische Besserung und eine verbesserte zelluläre Immunantwort sowie eine deutliche LAT-Senkung erreicht werden.

Informationen zur homöopathischen Therapie finden sich im Beitrag über die Reisekrankheiten des Hundes. Nebenwirkungen schulmedizinischer Therapien sind als Arzneikrankheiten zu werten und entsprechend zu therapieren.

Bei Scholten (Homöopathie und die Elemente) findet man den Hinweis auf Leishmaniasis bei Rhodium metallicum und Antimonum metallicum. Beide Mittel gehören zur Silberserie.

Ant-m.:
Lokalisation: links.
Wetter: verfroren, kalte Füße, agg. Kälte, agg. Feuchtigkeit, amel. außen.
Zeit: agg. 23 Uhr; allmählich kommend und gehend; Mondlicht, Vollmond.
Modalitäten: agg. berührt, agg. betrachtet, agg. Anstrengung, amel. Ruhe;  agg. Lärm, laute Geräusche, Musik, Schmerzen.

Rhodi.
Boericke: Nervous and tearful. Frontal headache; shocks through
head. Fleeting neuralgic pains in head, over eyes, in ear, both
sides of nose, teeth. Loose cold in head. Lips dry. Nausea
especially from sweets. Dull headache. Stiff neck and rheumatic
pain down left shoulder and arm. Itching in arms, palms
and face. Loose stools with gripings in abdomen. Hyper-active
peristalsis, tenesmus after stool. More urine passed. Cough
scratchy, wheezy. Thick, yellow mucus from chest. Feels
weak, dizzy and a tired feeling.

Bei Schroyens findet man die Indikation Leishmaniasis bei Kinder bei arsenicum album.

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