Pflanzliche Arthrosemittel in der Homöopathie

Weide, Pappel, Teufelskralle und Ingwer

Weide, Pappel (Weidengewächse mit Salicin als schmerzstillendem, entzündungshemmenden Wirkstoff), Teufelskralle (mit Harpargosid) und Ingwer (mit Gingerolen und Shogaolen) werden als Alternativen zur schulmedizinischen Schmerz- und Entzündungsbehandlung bei Gelenkproblemen gesehen. Wie sieht es aber mit dem homöopathischen Einsatz aus? Gibt es einen organotropen Bezug zu den Gelenken, der den Einsatz der potenzierten Mittel bei Gelenkentzündungen rechtfertigt? Sind die Mittel ausreichend geprüft, um einen individuellen Einsatz nach Symptomenähnlichkeit überhaupt zu ernöglichen?

Schaut man sich die pflanzlichen Arthrosemittel in der Homöopathie an, fällt auf, dass von den genannten Drogen nur der Ingwer (Zingiber officinale) in der Homöopathie überhaupt weitreichender geprüft ist. Die Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist im Repertorium Synthesis nur mit 11 Symptomen vertreten, aus der Familie der Weidengewächse findet man nur Populus tremuloides (152 Symptome) und die Weidenrinde (Salix alba) mit 168 Symptomen. Dafür aber die Salicylsäure immerhin mit 345 Symptomen und Salicinum mit 17 Symptomen. Der Ingwer ist dagegen mit 670 Symptomen vertreten und kann damit (wie die Salicylsäure) tatsächlich nach individuellen Gesichtspunkten und nicht nur nach einer eventuellen Indikation eingesetzt werden.
Der Einsatz nach klinischer Indikation bei nur teilweiser Ähnlichkeit wird – wenn überhaupt eine Wirkung zu beobachten ist – eine Linderung der Beschwerden bewirken und weder eine Heilung noch einen Stillstand der Grunderkrankung bewerkstelligen können. Da alle genannten Mittel den Bezug zum Magen und Verdauungsstörungen haben – sie schlagen in Ursubstanz alle auf den Magen, was ja auch eine unerwünschte Nebenwirkung bei Einsatz der Pflanzendrogen sein kann – ist der homöopathische Einsatz aber unter Umständen im Einzelfall eine Alternative.

Harpagophytum procumbens (harp.)

In der Arzneilehre von Julius Mezger findet man folgendes Zitat von A. Behm: „Hauptlokalisation oder Angriffspunkte des Medikamentes sind die größeren Gelenke, hier wieder die Hüftgelenke. Eine Seitenverschiedenheit konnte nicht beobachtet werden. Bewegen verschlimmert, während Ruhe und Liegen zu bessern scheinen. Allerdings wirkt die Nachtzeit bei einer Reihe von Kranken verschlimmernd. Desgleichen verschlimmert Wetterwechsel, besonders von trockenem zu feuchtem Wetter, während Wind keinen Einfluss zu haben scheint. Andere Lokalisationen sind die Brustwirbel und die Lendenwirbelsäule, mit spondylotischen Veränderungen und Abnutzungserscheinungen….“

Bei HD und Spondylose ist es also einen Versuch wert, die Teufelskralle auch in homöopathischer Zubereitung zu geben.

Miasmatische Einstufung nach Gienow: Sykose III. Im Synthesis wird als ein Symptom die Psora aufgeführt. Das legt nahe, dass die Teufelskralle nur paßt, wenn die Gelenkstrukturen noch nicht zerstört sind und einfache Entzündungen bzw. Entzündungen mit Zubildungen vorliegen: Arthritis (psorisch), Arthritis deformans, Ankylose.

Die wenigen Symptome im Synthesis: Allgemeines – Seite – rechts; Allgemeines – Morgens; Allgemeines – Mattigkeit; Allgemeines – Psora; Allgemeines – Schmerz – Gelenke; Allgemeines – Schmerz – Muskeln; Allgemeines – Schmerz – Sehnen; Allgemeines – Müdigkeit; Allgemeines – Wetter – Wetterwechsel – agg.; Allgemeines – Zeiten; allgemeine Tabelle der – 7 h

Salix- und Populus-Arten

Salix purpurea: Drücken in der rechten Hüftgelenkspfanne – sonst kein Symptom mit Bezug zum Bewegungsapparat (T.C. Duncan), Salix mollissima wurde von Copper erfolgreich bei rhuematischen Erkrankungen eingesetzt. Bei Salix nigra zeigte sich ein Gefühl von Fülle und die Unfähigekeit, die Knie so schnell wie vorher bewegen zu können (Hermance). Alles in allem nicht viel zu den Weiden und Pappeln was den Bewegungsapparat angeht. Aber der schmerzstillende Wirkstoff der Drogen ist besser geprüft:

Salycilsäure (sal-ac.)

Bei der Salycilsäure gibt es anscheinend keinen besonderen Bezug zu einzelnen Gelenken, im Vordergrund steht beim Bewegungsapparat die Gelenkentzündung im Allgemeinen und der rheumatische Schmerz mit agg. durch Bewegung, Berührung und kalte Luft.

Miasmatische Einstufung nach Gienow: Krebsmiasma und Sykose III. Demnach dürfte der degenerative Aspekt (Knorpelabnutzung) bei Salycilsäure also deutlich ausgeprägter sein als bei Harpagophytum. So finden wir denn bei den Keynotes von Samuel neben dem Rheumatismus auch die Nekrose und das Weichwerden der Knochen.

Bei Arne Krüger (http://www.arnekrueger.de/literatur/saliyl.htm) ist folgendes nachzulesen: „Für die homöopathische Anwendung von Acidum salicylicum beim Tier beschreiben B.u.M. Rakow akute und chronische entzündliche Gelenkschwellungen. Auch Gallen in Gelenken, Sehnenscheiden und Schleimbeuteln. Akute Gelenksentzündungen mit hochgradigen Schmerzen, und Pferde, die vor lauter Schmerzen auf drei Beinen stehen. ANDRESEN beschreibt beim Schwein die Anwendung bei degenerativen Gelenkerkrankungen infolge Infektionen, bei Arthritis…..“

Zingiber officinale (zing.)

Bei Ingwer hat sich ein besonderer Bezug zum Urogenitaltrakt und den Atemwegen gezeigt. In Bezug auf den Bewegungsapparat finden wir eine allgemeine Schwäche von Gelenken und Rücken. Hering beschreibt noch Steifheit in den Gelenken und Hüftgelenksschmerzen.

Beim Ingwer interessant ist die Kombination aus der Causa Diätfehler, Brot, Gemüse, Obst sowie Verdauungsstörungen, Kolik und Schmerzen des Bewegungsapparates (Extremitäten allgemein und auch Hände, Füße, Fußsohlen, Zehen und Rücken) bei agg. durch Stehen und Laufen, Berührung und nass-kaltes Wetter. Außerdem ist Ingwer nach Gienow ein Mittel der Sykose und der Arzneikrankhheit. Mir ist an dieser Stelle die Hufrehe in Zusammenhang mit Kohlenhydrat- und Cortisonfolgen in den Sinn gekommen.

Wird der Versuch mit homöopathischen Aufbereitungen der genannten Drogen gemacht, ist zu beachten, dass die Verwendung bis D7 im Pferdesport dopingrelevant ist und Wartezeiten unterliegt.

  • 1
    Share

Kursempfehlung für mehr Infos zum Thema