Pflanzliche Repellentien

Was man über pflanzliche Repellentien wissen sollte

Pflanzliche Repellentien sind Insekten abwehrende Substanzen pflanzlicher Herkunft. Zunächst denkt man an die Bestandteile ätherische Öle, aber es gibt auch noch andere pflanzliche Inhaltsstoffe, die Insekten abhalten. Bei der Beurteilung der Wirksamkeit ist die grundsätzliche Fähigkeit zur Insektenabwehr und die dazu nötige Konzentration zu bedenken sowie die gesundheitliche (Un-)Bedenklichkeit, die wiederum auch von der Konzentration abhängen kann.

Eine Substanz mag grundsätzlich die Fähigkeit zur Insektenabwehr haben, wird diese aber in einem Produkt niemals entfalten, wenn die Konzentration zu gering ist. Warum ich das betone? Weil in der Werbung und in Foren manches fröhlich durcheinander gebracht wird.

Gesetzliche Regelungen zum Umgang mit Repellentien

Seit 2012 gibt es eine EU-Biozid-Verordnung, die den Verkehr  mit Schädlingsbekämpfungsmitteln regelt. In dieser Verordnung sind unter Produktart 19 auch Repellentien und Lockmittel erfaßt und geregelt – obwohl sie die Schädlinge im eigentlichen Sinne nicht bekämpfen/töten/in ihrer Entwicklung hemmen, was eigentlich durch die Endung -zid angezeigt wird. In Produktgruppe 19 finden wir DEET, Icaridin, EBAAP (die gängigen chemischen Abwehrmittel), aber auch Laurinsäure (Bestandteil des Kokosöls) und Citriodiol (Bestandteil des Hydrolats des Zitroneneukalyptus) gehören in diese Gruppe. Produkte, die als Repellentien beworben werden, bedürfen einer Zulassung mit Wirkungsnachweis! Hautpflegemittel (= Kosmetika) dürfen z.B. nicht als Repellentien beworben werden. Wird eine Substanz als Duftstoff zur Geruchsverbesserung  zugesetzt (was gerne mit ätherischen Ölen prakiziert wird), darf das Produkt nicht mit zusätzlicher Insektenabwehr beworben werden. Dafür reichen die Konzentrationen nämlich nicht aus.

Biozid bzw. Repellent darf sich nur nennen, was nach dieser Verordnung zugelassen wurde – mit entsprechenden Hinweisen auf sachgemäße Anwendung und Vorsichtsmaßnahmen – auch wenn es sich “nur” um pflanzliche Substanzen handelt. Pflanzlich bedeutet in vielen Fällen sekundärer Pflanzenstoffe nämlich dosisabhängig pharmakologisch wirksam und damit toxisch, im Falle der ätherischen Öle in jedem Fall haut- und  schleimhautreizend.

Ausflug in die Chemie der Pflanzenstoffe mit insektenabwehrender Wirkung

Grundsätzlich kann man in Wasser lösliche und in Fett lösliche Substanzen unterscheiden. Öle ist der Überbegriff für Substanzen, die sich nicht mit Wasser mischen lassen. Zu den Ölen gehören ganz unterschiedliche Substanzen, ätherische Öle, fette Öle und Mineralöle. Zu den fetten Ölen gehören pflanzliche und tierische Öle z.B. Kokosöl, Sonnenblumenöl, Rapsöl, Leinöl, Lebertran. Die pflanzlichen Öle werden auch als wertvolle Grundlage für Kosmetika eingesetzt. Mineralöle werden nicht nur als Motorenöl und für industrielle Zwecke eingesetzt sondern auch als kostengünstigere Basis für Kosmetika. Das sei nur am Rande erwähnt, für unsere Thema hier spielen sie  ebenso wie die tierischen Öle keine Rolle.

Primäre oder sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe

Primäre Pflanzeninhaltsstoffe sind die Substanzen, die von der Pflanze im Energie- und Baustoffwechsel auf- und abgebaut werden. Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe  werden von Pflanzen u.a. gebildet, um Schädlinge fernzuhalten, um bestäubende Insekten anzulocken, um Freßfeinde abzuhalten oder sogar zu töten. Unter den sekundären Pflanzenstoffen finden wir daher auch entsprechend wirksame = toxische Substanzen.

Es gibt verschiedene Verfahren, den Pflanzen/Pflanzenteilen Inhaltsstoffe zu entziehen. Wichtige Extraktionsverfahren sind das Auspressen und die Wasserdampfdestillation mit oder ohne Lösungsmitteln. Lösungsmittel sorgen für eine bessere Ausbeute und werden später – hoffentlich rückstandslos – wieder entfernt. Nicht mit jedem Extraktionsverfahren kann jeder Inhaltsstoff gleichermaßen gut aus den Pflanzenteilen herausgelöst werden. Das hängt mit dem Lösungsverhalten der Substanzen zusammen. Im ätherischen Öl einer Pflanze sind andere Inhaltsstoffe enthalten als im wässrigen Auszug, was oft nicht berücksichtigt wird.

Ätherische Öle

Ätherische Öle sind sekundäre Pflanzenstoffe. Sie sind in organischen Lösungsmitteln und in Fett löslich. Sie haben einen starken und für die Herkunftspflanze ganz charakteristischen Geruch. Ätherische Öle sind aus vielen verschiedenen Komponente zusammengesetzt. Man kann sie synthetisch “nachbauen”, wobei dann die Vielfalt der Inhaltsstoffe entfällt. Ätherische Öle sind lange haltbar.

Ätherische Öle lassen sich nicht mit Wasser verdünnen. Man kann sie zwar in Wasser geben, aber es wird keine gleichmäßige Verteilung erreicht. Man erkennt das an den großen “Tropfen” die auf dem Wasser schwimmen. Will man eine gleichmäßige Verteilung auf der Haut oder dem Fell erreichen, so muss man einige Tropfen des Konzentrats in ein Pflanzenöl bzw. eine Hautlotion einmischen und diese dann auftragen.

Ätherische Öle reizen Haut- und Schleimhaut und haben Allergisierungspotential. Sie sollten daher auf Haut oder Schleimhaut niemals unverdünnt angewendet werden, nicht in die Augen kommen und auch nur auf intakter Haut angewendet werden. Auch bei verdünnten Anwendungen ist zunächst zu prüfen, ob evtl. eine Überempfindlichkeit besteht. Einige ätherische Öle bzw. ihre Inhaltsstoffe verstärken die Lichtempfindlichkeit der Haut!

Hydrolate

fallen als Nebenprodukte bei der Gewinnung der ätherischen Öle durch Wasserdampfdestillation an, man kann sie aber auch unabhängig von der Gewinnung ätherischer Öle herstellen. Nicht jede Pflanze zeichnet sich schließlich durch hohe Konzentration  ätherischer Öle aus. Die Hydrolate (die sogenannten Pflanzenwässer) enthalten die wasserlöslichen Inhaltsstoffe der Pflanzen oder Pflanzenteile. Sie enhalten nur Spuren ätherischer Öle. Hydrolate verkeimen schnell ohne Alkoholzusatz. Meist werden sie mit Alkohol versetzt. Die Pflanzenwässer  werden vielfätlig eingesetzt. Sie haben einen zarten Geruch und teils ähnliche, teils abweichende Wirkung von den ätherischen Ölen der gleichen Pflanze/Pflanzenteile. Hydrolate kann man so wie sie sind als wässrige Lösungen auftragen oder weiter mit Wasser verdünnen. Sie haben kaum haut- oder schleimhautreizende Wirkung. Auch hier sollte die Verträglichkeit aber zunächst geprüft werden.

Sowohl ätherische Öle als auch Pflanzenwässer sind Mischungen vieler Substanzen. Beide bzw. ihre Komponenten können synthetisch hergestellt werden, wobei man sich auf einzelne  wirksame Komponenten beschränkt. Hier haben wir dann neben der Problematik der Wirksamkeit noch die Unterscheidung zwischen natürlich, naturidentisch oder synthetisch zu berücksichtigen.

Fette Öle

sind primäre Pflanzenstoffe. Sie werden von der Pflanze  als Energiespeicher gebildet, um im Samen die Ernährung des Keimlings zu gewährleisten (z.B. im Sonnenblumenkern oder  Neembaumsamen) oder um das Fressen einer Frucht attraktiv zu machen und so zur Verteilung des Samens beizutragen.  Man unterscheidet entsprechend Ölpflanzen mit fetthaltigem Fruchtfleisch und Ölpflanzen mit fetthaltigen Samen. Diese Pflanzenfette sind primäre Pflanzenstoffe. Die Öle konnen durch Auspressen und (chemische) Extraktion gewonnen werden.  Die Ausbeute an Öl ist bei chemischer Extraktion größer als beim Pressen. Wird chemisch extrahiert, wird das Lösungsmittel anschließend wieder entfernt. Manche Pflanzensamen enthalten neben dem fetten Öl durchaus noch wirksame Bestandteile (sekundäre Pflanzenstoffe).

Öle, die aus Samen gewonnen werden, sind immer pflanzliche Fette und keine ätherischen Öle! Im Einzelfall muss man sich informieren, man sieht es den Bezeichnungen nicht an, was dahinter steckt: Teebaumöl ist ein ätherisches Öl (aus Blättern und Zweigen des Teebaums gewonnen), Neemöl ist ein Pflanzenöl (aus den Samen des Neembaumes gewonnen).

Ätherische Öle als Repellentien

Als natürliche Repellentien werden  ätherische Öle von  Basilikum, Minzen, Lavendel, Salbei, Thymian, Eukalypten, Gewürznelken, Teebaum und der aromatischen Süßgräser  sowie von Pelargonien und Zedern eingesetzt. Die insektenabschreckende Wirkung von ätherischen Ölen hängt stark von der Konzentration ab (sollte in einem Produkt mindestens 20% betragen), ist generell eher kurz (Minuten bis 1 Stunde)- vor allem wenn sie in Verdünnung eingesetzt werden. Werden sie Produkten zur Geruchsverbesserung in geringer Konzentration von bis zu 1% zugesetzt, haben sie keinerlei Wirkung. Auch die Pflanzenwässer haben keinerlei insektenabwehrende Wirkung!

Der Zusatz eines (natürlichen) ätherischen Öls zu einem beliebigen Produkt liest sich immer gut, das grundsätzliche Potential zur Insektenabwehr mag bei entsprechender Konzentration auch vorliegen, aber eine Wirkung des Produktes als Repellent (oder auch eine Wirkungsverstärkung)  ist damit noch lange nicht gegeben.

Im Englischen heißen die ätherischen Öle übrigens plant oils – womit nicht die fetten Pflanzenöle gemeint sind! Das sind vegetable oils.

Parasitol Res. 2014 Jan;113(1):185-8. doi: 10.1007/s00436-013-3641-7. Epub 2013 Oct 19.
Evaluation of biological and chemical insect repellents and their potential adverse effects. Semmler M, Abdel-Ghaffar F, Schmidt J, Mehlhorn H
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Andere sekundäre Pflanzenstoffe als Repellentien

Wohlbekannt sind das aus Chrysanthemen gewonnene Pyrethrum (genau genommen eine MIschung sekundärer Pflanzenstoffe) und seine synthetischen Nachbildungen, die Pyrethroide. Sie wirken gegen Flöhe und Zecken als Insektizide, sind nicht ungefährlich wegen ihrer Toxizität. Diese Substanzen töten Insekten und wehren sie ab. Das gleiche gilt für die Substanz  Azadirachtin aus dem Neembaumöl. Azadirachtin hemmt in entsprechender Konzentration die Larvenentwicklung, indem es die Synthese von Chitin stört. Es ist ebenfalls kein wirkungsvolles Repellent.

Es gibt unter den pflanzlichen Wirkstoffen aber eine Substanz –  PMD (p-Menthan-3,8-Diol), auch Citriodiol genannt -, die sich als gut wirksam als Insektenrepellent herausgestellt hat ohne gravierende Nebenwirkungen. Schleimhautreizend wirkt es aber auf jeden Fall. Je nach Formulierung hält der Schutz gegen Stechmücken und Zecken (und sogar gegen Blutegel) mehrere Stunden an. Das hängt von der Konzentration ab. Ursprünglich aus den Destillationsrückständen (dem Hydrolat) bei der Extraktion des ätherischen Öls aus Zitroneneukalyptus (Corymbia citriodora, Syn. Eucalyptus citriodora) gewonnen, wird es inzwischen häufig auch chemisch synthetisiert. Das natürlich vorkommenden Citriodiol ist eine Mischung verschiedener Substanzen gleicher Wirkung, synthetisch hergestelltes PMD ist eine Einzelsubstanz und bei gleicher Konzentration wirksamer.

Citriodiol schützt bis 6 Stunden vor Insektenstichen und bis zu 4 Stunden vor Zeckenbissen und ist unter den pflanzlichen Repellentien das wirkungsvollste. Citriodiol-Produkte sind auch für Tiere (Hund, Katze, Pferd) zugelassen (Produktgruppe 19 nach Biozid-Verordnung).

Vorsicht bei ähnlich klingenen Namen

Bei den verschiedenen Pflanzengattungen und sekundären Pflanzenstoffen sollte man immer mindestens 2 mal hinschauen. Was ähnlich klingt, kann ganz Unterschiedliches bedeuten! Citriodiol ist kein Bestandteil des Zitroneneukalyptusöls! Dieses Öl würde die gewünschte Wirkung nicht entfalten. Es hat auch nichts gemein mit Citronelle/Citronella (Zitronengras oder Zitronengrasöl). Citronellal und Citronellol sind u.a. Bestandteile des ätherischen Öls von Zitrusgewächsen und Zitronenengras und sind ebenso von Citriodiol zu unterscheiden. Dies nur als weiteres Beipiel für verwirrende Bezeichnungen.

Kokosöl als Repellent

Kokosöl ist ein Pflanzenfett, das aus dem Fruchtfleisch der Kokosnuß gewonnen wird. Es gehört zu den sogenannten Laurinölen, weil es durch einen besonders hohen Gehalt der Fettsäure Laurinsäure charakterisiert ist. Laurinsäure ist eine mittelkettige gesättigte Fettsäure, deren Geruch Zecken abschreckt. Sie ist zu über 40% Bestandteil des Kokosöls.

Kokosöl wird in der Lebensmittelproduktion, in der Kosmetikherstellung, In der Tierfütterung, in Industrie und Technik eingesetzt. Bei Raumtemperatur ist Kokosöl fest.

Laurinsäure wird in der Massentierhaltung als Einzelsubstanz eingesetzt, da sie keimabtötend u.a. auf Streptokokken und Staphylokokken wirkt.

Laurinsäure ist ein wirkungsvolles Repellent und Kokosöl eignet sich natürlich auch für die Beimischung von ätherischen Ölen. Lange hält der Schutz des Kokosöls aber nicht an.

Tatsächlich hängt es von der erwünschten Belastbarkeit des Schutzes und der gewünschten Sicherheit ab, was man einsetzt. Gilt es, eine mit Leishmanioseerreger belastete Stechmücke in Spanien abzuwehren oder eine deutschen Zecke in die Flucht zu schlagen? Soll ein Stich/Biss verhindert werden oder das Insekt abgetötet werden – was eine Infektion nicht verhindern würde. Braucht das Tier den Schutz für einen 2-stündigen Waldspaziergang oder rund um die Uhr?

Wer sich umfassend über die verschiedenen pflanzlichen Wirkstoffe informieren möchte, die als Repellentien mehr oder weniger erfolgreich als Einzelmittel oder in Kombination eingesetzt werden (inkl. Nebenwirkungen), dem sei folgende Übersichtsarbeit ans Herz gelegt:

Published online 2011 Mar 15:
Plant-based insect repellents: a review of their efficacy, development and testing
Marta Ferreira Maia and Sarah J Moore

Bei Katzen bitte keine Experimente mit ätherischen Ölen, Pyrethrum oder Pyrethroiden durchführen, da diese Substanzen für Katzen toxisch sind! Am besten nichts anwenden, was nicht explizit für Katzen zugelassen ist.

Unerwünschte Nebenwirkungen der pflanzlichen Repellentien sind homöopathisch therapierbar als Arzneikrankheiten.

Kursempfehlung für mehr Infos zum Thema