Praxis

So sieht eine homoeopathische Behandlung aus

Hier erfahren Sie alles Wissenswerte rund um die homöopathische Behandlung. Weil viele Tierbesitzer nicht so recht wissen, wie eine homöopathische Behandlung aussieht und  um was es bei der Homöopathie überhaupt geht, habe ich hier einige Informationen zusammengestellt.

Und zwar einmal allgemein zur klassischen Homöopathie nach Hahnemann und zum anderen ganz konkret für Tierbesitzer, deren Tier homöopathisch behandelt wird. Der Ablauf der homöopathischen Behandlung wird erklärt. Sie erfahren, was die Therapiemethode ausmacht, wie sie funktioniert und angewendet wird. Sie bekommen Tipps, wie Sie sich auf den Besuch beim Homöopathen vorbereiten können und wie Sie zum Erfolg der Behandlung beitragen können. Fälle aus der Praxis zeigen die Möglichkeiten einer homöopathischen Behandlung in akuten und chronischen Krankheitsfällen, bei Unfällen, körperlichen Erkrankungen und Verhaltensstörungen. Sie sehen, dass Homöopathie bei allen Tierarten wirkt, bei Groß- und Kleintieren.
Sie können sich ein Bild davon machen, wie effektiv Homöopathie sein kann.

Was zeichnet die klassisch-homöopathische Behandlung aus?

In der klassisch-homöopathischen Therapie werden

  • ausschließlich potenzierte Substanzen verwendet,
  • weder Mittelkombinationen noch Komplexmittel sondern ausschließlich Einzelmittel eingesetzt,
  • nur geprüfte Substanzen verabreicht
  • und der Einsatz der Arzneien erfolgt immer nach dem Ähnlichkeitsprinzip.

Die homöopathische Therapie ist eine Regulationstherapie. Sie versetzt den Organismus in die Lage, seine Krankheit aus eigener Kraft dauerhaft überwinden zu können. Die homöopathische Arznei intensiviert die bislang unzureichend aktivierten Selbstheilungskräfte des Körpers und ermöglicht so eine Heilung.

Da es keine Nebenwirkungen gibt, kann eine homöopathische Therapie auch bei alten, geschwächten oder trächtigen Tieren und sogar bei Jungtieren bedenkenlos durchgeführt werden. Die homöopathische Behandlung zielt auf eine Normalisierung fehlgesteuerter Lebensvorgänge ab, ohne über biochemische Reaktionen direkt in das Stoffwechselgeschehen einzugreifen und eben auch unerwünschte Nebenwirkungen zu erzeugen. Sie ist dadurch schonend und belastet den durch Krankheit geschwächten Organismus nicht noch zusätzlich.

Die Homöopathie ist eine genau definierte Therapiemethode, die nach festen Regeln angewandt wird und mit keiner anderen Therapiemethode vergleichbar ist. Begründer der homöopathischen Heillehre in ihrer heutigen Form ist der Arzt und Apotheker Samuel Hahnemann (1755-1843). Hahnemann bestätigte die alte Erkenntnis, dass Substanzen beim Kranken genau die Symptome heilen können, die sie beim Gesunden hervorrufen. Mit anderen Worten: Das Mittel, das beim Gesunden bestimmte Beschwerden auszulösen vermag, kann beim Kranken eben diese Beschwerden günstig beeinflussen.

Bevor eine Arznei eingesetzt werden kann (und das gilt idealerweise für jede Therapieart), muss in Arzneiprüfungen am Gesunden festgestellt werden, welche Symptome sie hervorrufen kann. Die Arzneiprüfungen waren ein ganz großes Anliegen Hahnemanns, wurden doch zu seiner Zeit viele Mixturen verwendet, über deren Wirkungen niemand genaues wußte. Hahnemann’s Forderung war daher, dass man jede arzneilich wirksame Substanz vor ihrem Einsatz beim Kranken für sich alleine am Gesunden prüfen und später dann die erfolgreich in der Praxis bestätigten Wirkungen dokumentieren müsse. Nur mit dem Wissen über die exakte Wirkung jeder einzelnen Arznei kann diese erfolgreich eingesetzt werden. Sobald 2 Arzneien gemeinsam verabreicht werden, kann von einer exakt bestimmbaren Wirkung nicht mehr die Rede sein.

Heilen mit einer ähnlichen Krankheit

Im Krankheitsfall werden dann die Symptome der geprüften Arzneien mit dem Krankheitsbild (= Gesamtheit der Symptome des Patienten) verglichen und das ähnlichste und damit wirkungsvollste Arzneimittel gesucht. Je größer die Ähnlichkeit der Krankheit mit den Arzneisymptomen, desto größer die Heilungsaussichten durch das Mittel.

In der Homöopathie werden Arzneien immer nach dem Ähnlichkeitsprinzip eingesetzt. In der Schulmedizin macht man das anders, hier wird die Arznei nach dem Prinzip der Gegensätzlichkeit ausgewählt. Dass beide Therapieprinzipien ihre Berechtigung haben, weiß man schon lange. Bis in unsere Zeit hat sich allerdings das Hin und Her in der Bewertung erhalten.
So kann Hunger nur durch Essen „geheilt“ werden, Durst nur durch Trinken. Niemand käme auf die Idee, Hunger durch noch mehr Hunger kurieren zu wollen. Bei Krankheiten sieht das ein wenig anders aus. Grundsätzlich ist hier beides möglich: Man kann Verstopfung schulmedizinisch, allopathisch, mit einem entgegengesetzt wirkenden Mittel bekämpfen. Man wählt dann ein Mittel aus, dass beim Gesunden Durchfall auslöst und gleicht so im Idealfall die Verstopfung des Patienten aus. Manchmal geht die Rechnung nach dem Prinzip Durchfall + Verstopfung = normale Verdauung auf. Manchmal leidet der Patient aber nach dem Absetzen des Medikamentes wieder unter Verstopfung oder er bekommt (durch den Gewöhnungseffekt verstärkt) eine so schlimme Verstopfung, dass er nun eine wesentlich höhere Dosis von dem Mittel braucht, um die Verstopfung in den Griff zu bekommen. Dazu hat er dann noch mit den unerwünschten Nebenwirkungen der Therapie, nämlich Mineralstoffverlusten kämpfen. Das alles passiert bei einer homöopathischen Therapie nicht. Man wählt ein Mittel aus, das beim Gesunden genau diese Art der Verstopfung auslöst und die Verdauung normalisiert sich. Die Arznei löst eine Arzneikrankheit aus und aufgrund der Ähnlichkeit der Arzneikrankheit mit der natürlichen Krankheit des Patienten werden die körpereigenen Heilungskräfte mobilisiert und die Krankheit wird ausgeheilt.

Die Tatsache, dass ähnliche Krankheiten sich gegenseitig ausheilen können, ist auch in der Schulmedizin bekannt. Man beobachtet es hin und wieder bei natürlichen Krankheiten, der therapeutische Nutzen ist aber im Einzelfall kritisch zu bewerten. Wer möchte schon die eine schwere Infektionskrankheit gegen eine andere eintauschen. Mit den Arzneikrankheiten funktioniert es ebenso, nur ohne dass diese Arzneikrankheit dem Patienten nach der erfolgreichen Therapie seiner Krankheit erhalten bleibt. Die Arzneikrankheit heilt ebenfalls folgenlos aus, vorausgesetzt, das Mittel wird in potenzierter Form verabreicht. Diese Erkenntnis verdanken wir Hahnemann.

Die Homöopathie ist eine individuelle Therapie, deren Erfolg entscheidend von der vollständigen Erfassung und richtigen Bewertung der Krankheitssymptome abhängt, zu denen u.a. die Gemütsverfassung, Verhaltenseigentümlichkeiten, die Auslöser der Beschwerden und die Bedingungen, unter denen sich die Beschwerden verschlechtern oder verbessern, gehören. Die homöopathische Anamnese (Fallaufnahme) und die Arzneimittelfindung (Repertorisation) sind entsprechend umfangreich und zeitaufwendig. Auf die besondere Gewichtung der individuellen Symptomatik ist es zurückzuführen, dass Patienten mit schulmedizinisch gleich benannten Erkrankung nur in seltenen Fällen die gleiche Arznei benötigen.

Wie werden die Arzneien verabreicht ?

Bei der Herstellung werden die pflanzlichen, mineralischen oder tierischen Ausgangssubstanzen mit Alkohol, Milchzucker oder Wasser in bestimmten Verhältnissen verdünnt und werden einer genau vorgeschriebenen mechanischen Prozedur (Verschüttelung oder Verreibung) unterzogen. So entstehen die verschiedenen Potenzstufen (z.B. C1, C2 usw.). Je nach Potenzstufe ist in dem Verdünnungsmedium die ursprüngliche Substanz stofflich nicht mehr nachweisbar. Ihre Information hat sich allerdings auf das Lösungsmittel übertragen.

Die homöopathischen Arzneien gibt es jeweils in verschiedenen Potenzen in Tablettenform, als Tropfen, als Streukügelchen (Globuli) oder Injektionslösungen. Welche Darreichungsform, welche Potenz und welche Häufigkeit der Arzneimittelgabe gewählt wird, hängt von der Tierart, der Art der Erkrankung, dem Zustand des Patienten und den Möglichkeiten zur Weiterbehandlung ab. Die Globuli sind als einzige Darreichungsform in sämtlichen Potenzen erhältlich. Zur Anwendung werden sie zur besseren Wirksamkeit in aller Regel in Wasser aufgelöst.

Die Häufigkeit der Arzneimittelgabe kann von einer Einzelgabe bis zur mehrmaliger täglichen Verabreichung gehen. Letztere kann vom Tierbesitzer leicht mit Globuli oder Tropfen durchgeführt werden. Die Globuli werden in wenig Wasser aufgelöst, die Tropfen mit Wasser verdünnt und beides dann mit einer Plastikspritze direkt ins Maul gegeben. Kontakt mit der Schleimhaut/Haut reicht, geschluckt werden muss nichts. Die geringen Mengen und der fehlende Eigengeschmack erleichtern die Arzneigabe sehr. Ist das trotzdem nicht machbar, kann man das Mittel auch über das Futter oder das Trinkwasser verabreichen. Bei Kleintieren können die Arzneien auch in die Bauchhaut eingerieben werden, bei Vögeln aufs Gefieder gesprüht werden.

Möglichkeiten und Grenzen der Homöopathie

Man kann fast jede akute oder chronische Erkrankung bei jeder Tierart erfolgreich homöopathisch behandeln. Allerdings darf der Körper nicht zu schwach sein, um auf den Arzneireiz reagieren zu können.

Bei schweren Organveränderungen (Gewebeschäden) kann verständlicherweise keine vollständige Heilung aber immerhin eine Erleichterung erzielt werden.

Auch Verhaltensstörungen lassen sich erfolgreich homöopathisch therapieren. Und zwar auch hier wieder ohne die unerwünschten Nebenwirkungen, die sich beim Einsatz von Hormonen, Beruhigungsmitteln etc. unweigerlich einstellen.

Eine homöopathische Therapie kann keine Notfallversorgung (Wundbehandlung, chirurgische Versorgung) ersetzen. Als Begleittherapie kann sie aber entscheidend zur Heilung und zum Wohlbefinden beitragen. Dies gilt übrigens für alle Fälle, in denen eine schulmedizinische Behandlung unumgänglich scheint.

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Was ist vom Tierhalter im Rahmen der Behandlung zu beachten ?

Die Homöopathie ist ein eigenständiges Heilverfahren, das keinem anderen Naturheilverfahren zugeordnet werden kann und mit keinem anderen Therapieverfahren verglichen werden kann. Die Homöopathie folgt eigenen Gesetzmäßigkeiten.

ALLE krankhaften Veränderungen von Körper, Geist UND Gemüt werden bei der Mittelwahl berücksichtigt. Heilend ist die Arznei, die beim Gesunden (in der Arzneimittelprüfung) Symptome hervorruft, die den Beschwerden des Kranken möglichst ähnlich sind. Patienten- und Arzneisymptome entsprechen sich im Idealfall wie Bild und Spiegelbild. Ausgewertet werden können nur Symptome, die berichtet oder vom Therapeuten beobachtet werden!

Bereiten Sie sich vor:

Bei akuten Erkrankungen interessiert vor allem der mögliche Auslöser der Beschwerden und die Bedingungen, unter denen sich die Beschwerden bessern oder verschlechtern, was dem Tier offensichtlich gut tut und was es meidet.

In chronischen Fällen muss der Tierbesitzer/-betreuer Zeit für die Fallaufnahme mitbringen. Die Fallaufnahme ist sehr aufwendig, reicht (wenn möglich) bis in die Jugendzeit des Tieres und sogar bis zu den Vorfahren zurück und schließt auch die Blutsverwandten mit ein. Es ist wichtig, zu den Anfängen der Probleme zurückzukehren und die Krankheitsgeschichte von Beginn an zu rekonstruieren. Dabei sind Impfungen und vorangegangene Therapien ebenso wie mögliche Auslöser der Erkrankung zu berücksichtigen! Je umfangreicher in solchen Fällen die Kenntnisse über den Lebenslauf und die Krankengeschichte des Patienten sind, um so besser. Unvollständige oder falsche Angaben können dazu führen, dass zwischen Arznei und Krankheit nur teilweise Ähnlichkeit besteht und das heilende Mittel im ersten Anlauf nicht gefunden werden kann.

Erstellen Sie daher vor der Erstanamnese (dem ersten Besuch)eine Übersicht über Impfungen, Kastration, Behandlungen und Auftreten der Beschwerden in chronologischer Reihenfolge, das mindert den Zeitaufwand für die Erstanamnese. Auch Erkrankungen der Eltern und Geschwister können von Interesse sein! Bringen Sie vorliegende Laborbefunde etc. mit.

Oft wird eine homöopathische Behandlung erst ins Auge gefasst, wenn andere Therapien versagt haben und schon einige Behandlungsversuche mit den unterschiedlichsten Medikamenten und Therapien nicht den gewünschten Erfolg brachten. Durch vorangegangene Behandlungen kann sich die ursprüngliche Krankheit verändern. Vorübergehende Beschwerdefreiheit bei chronischen Erkrankungen ist, auch wenn sie lange anhält, nicht mit Heilung gleichzusetzen! Angaben über vorangegangene Behandlungen und deren Ergebnis sind immer wichtig!

Die Mittelgabe und die Zeit danach

Die Arznei wird entweder vom Therapeuten verabreicht oder Sie übernehmen das selbst. Halten Sie sich exakt an die Anweisungen und vermeiden Sie bei der Zubereitung und Verabreichung den Kontakt des Mittels mit Metall. Es kann zu einer Wirkungsveränderung kommen! Die Wirkung einer Arznei kann nach der Gabe durch vorangegangene oder gleichzeitige Therapien mit Antibiotika, Cortison, ätherischen Ölen oder Impfungen aufgehoben oder gehemmt werden. Sollten derartige Maßnahmen während der homöopathischen Therapie unumgänglich sein, besprechen Sie dies mit dem Therapeuten.

Nach der Mittelgabe werden sich die Beschwerden einer akuten Erkrankung/Unfall etc. rasch und nachhaltig bessern. Bei chronischen Krankheiten erfordert es Geduld. Die homöopathischen Mittel entfalten ihre Wirkung sofort. Es kann aber bei chronischen Erkrankungen je nach Potenzwahl Tage oder Wochen dauern, bis diese Wirkung von außen sicher erkennbar wird. In der ersten Zeit nach der Mittelgabe können sich kurzfristige Veränderungen ergeben, die keinen Bestand haben. Möglicherweise treten vorübergehend für kurze Zeit alte Beschwerden wieder auf, die u.U. auch schon einmal therapiert wurden. Das ist ein gutes Zeichen! Es muss dann abgewartet werden, bis sich die veränderten Symptome stabil zeigen. Erst dann kann die Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen werden.

Da Tiere ihren subjektiven Beschwerden und Empfindungen nur über ihr Verhalten Ausdruck verleihen können, ist eine aufmerksame Beobachtung unerlässlich, um Veränderungen feststellen zu können.

Es ist zweckmäßig nach der Mittelgabe eine Art Tagebuch über die Veränderung der Symptome zu führen. Erfahrungsgemäß ist es schwierig, Entwicklungen im Nachhinein exakt wiederzugeben, vor allem, wenn sie nicht gradlinig verlaufen. Die Aufzeichnungen erleichtern die Beurteilung des Behandlungserfolges, und verkürzen die Folgekonsultation.

In Fällen chronischer Krankheit hält die Mittelwirkung u.U. monatelang an und sollte in ihrer Entwicklung möglichst nicht gestört werden. Hier findet eine schrittweise Rückentwicklung der Krankheit statt, die durch eigenmächtige Mittelwiederholung, andere Medikationen, Operationen, Impfungen nachhaltig gestört werden kann. Dergleichen sollte während der Behandlung also möglichst vermieden werden!

Im Zuge des Heilungsprozesses — insbesondere bei chronischer Krankheit – werden Ausscheidungsvorgänge angeregt. Das betrifft normale Ausscheidungen von Urin und Stuhl, kann sich aber auch in Durchfall und Erbrechen äußern, in vermehrten Absonderungen von Haut und Schleimhäuten, wie Schweiß, Ausfluss, Schnupfen oder in Eiterungen. Lassen Sie sich dadurch nicht beunruhigen! Auch Hautausschläge sind als Prozesse zu werten, die der Ausscheidung von Krankheitsprodukten dienen, ihr Auftreten im Zuge einer Behandlung ist ebenfalls positiv zu sehen. Ebenso kann es zum kurzen vorübergehenden Wiederauftreten alter Beschwerden kommen. Dies zeigt die Rückentwicklung der Krankheit an.

In den ersten Tagen nach Mittelgabe einer C-Potenz kann (nicht muss) es zu einer unbedenklichen und vorübergehenden Verschlimmerung der Symptome kommen, die deutlich zeigt, dass das Mittel richtig gewählt wurde.

Bei LM- oder Q-Potenzen kann es im Laufe der Behandlung nach stetiger Besserung zu einer Verschlechterung der noch bestehenden Symptomatik kommen. Auch dies ist Zeichen für den richtigen Verlauf der Behandlung und ist unbedingt zu dokumentieren, da das weitere Vorgehen darauf aufbaut.

Wie geht es weiter?

Bei der Folgeanamnese berichten Sie über die Veränderungen, die sie bei den Symptomen/im Verhalten ihres Tieres beobachtet haben und das weitere Vorgehen wird besprochen.

Bei akuten Erkrankungen ist es oft mit einer Gabe eines Mittels getan. Chronische Erkrankungen und Verhaltensstörungen brauchen längere Zeit, um sich zu entwickeln und erfordern manchmal auch eine längere Behandlungsdauer u.U. mit mehreren aufeinander folgenden Mitteln. Bei der Besprechung der Entwicklung nach der ersten Mittelgabe, zeigt sich, ob und in welcher Form eine weitere Behandlung angezeigt ist. Sinngemäß gilt für die weitere Mittelgabe dann der gleiche Ablauf wie beschrieben.

Fälle aus der Praxis

Die nachfolgenden Fälle aus der Praxis zeigen deutlich, dass Homöopathie bei Groß- und Kleintieren, bei Unfallfolgen, Impffolgen, Verletzungen, akuten und chronischen Krankheiten gleichermaßen wirkungsvoll ist.

Folgen einer Tollwutimpfung

Die kleine Shitzu-Hündin hat am Vortag ihre erste Tollwutimpfung erhalten. Zuhause angekommen schrie sie beim Hochnehmen auf. Abends wurde das temperamentvolle Tier zunehmend ruhiger, lustlos und müde. Auf die Besitzerin macht sie einen kranken Eindruck. Sie weigert sich auf das Sofa oder aus dem Wagen zu springen. Sie schreit nach wie vor beim Hochnehmen. Die Bauchdecken sind deutlich verspannt.

Da der unmittelbare zeitliche Zusammenhang mit der erfolgten Impfung gegeben ist, erhält die Hündin aufgrund ihrer Symptome Thuja C30. Nach der 1/2 -stündigen Heimfahrt springt sie aus dem Wagen, als wäre nichts geschehen. Ihr Verhalten ist wieder völlig normal, sie lässt sich wieder hochnehmen. Am Abend hat die Besitzerin das Gefühl, dass sich der Zustand wieder verschlechtert. Thuja wird mit Erfolg wiederholt. Es tritt kein Rückfall mehr auf.

Folgen einer Schnupfen-/Seucheimpfung

Die zugelaufene Katze, etwa 1-2 Jahre alt, wurde vor 1 Woche gegen Katzenschnupfen und Panleukopenie geimpft. Am Tag nach der Impfung hatte sie Schluckbeschwerden. Der TA verneinte jeden ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung, diagnostizierte eine Halsentzündung und verabreichte ein Antibiotikum. Die Beschwerden haben sich seit dem verschlimmert. Nun zeigt die Katze auch Schnupfensymptome. Auf Befragen erläutert die Besitzerin, dass nur die eine Impfung vorgesehen war. Die Kontrolle des Impfpasses bestätigt die Vermutung, dass ein Lebendimpfstoff verwendet wurde. Die Katze erhält Thuja C30, die Symptomatik schwächt sich ab. Sie erhält 2 Tage später noch einmal die C200. Die Rückmeldung erfolgt nach einigen Tagen. Die Katze hat sich nach der zweiten Gabe zunehmend erholt, hat jetzt keine Probleme mehr.

Hündin mit Bisswunde

Die kleine Mischlingshündin ist vor einigen Tagen von einem großen Hund in den Nacken gebissen und geschüttelt worden. 2 Zahnlöcher gehen komplett durch Haut und Unterhaut. Ein Abriss der Unterhaut ist angesichts des Größenunterschiedes der Hunde wahrscheinlich. Die Verletzung wurde mit Penicillinpuder vorbehandelt. Das Wundgebiet ist vermehrt warm und verklebt. Nach Reinigung sehen die Wundränder rot und aufgequollen aus. Der Hund lässt sich widerstandslos behandelt, die Verletzung scheint nicht besonders schmerzhaft zu sein.

Die Wunde wird mit Calendula extern gespült, der Hund erhält außerdem Calendula C30. Beides soll die nächsten Tage wiederholt werden. Die Besitzerin wird darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, die Wundöffnungen frei zu halten. Es ist darauf zu achten, ob sich im Halsbereich Schwellungen entwickeln. Flüssigkeitsansammlungen (Wundsekret, Eiter) können sich bedingt durch die Lokalisation der Wunde im Nacken (=oben) nicht entleeren sondern sacken nach unten ab.

3 Tage später ist die Bißstelle vollständig abgeschwollen. Es sind keine Anzeichen einer Entzündung vorhanden. Weitere 5 Tage später sieht man deutlich, dass die beiden Bisslöcher von innen heraus gut verheilen. Die Wunde heilt komplikationslos ab.

Calend.: Risswunden, Wunden mit zerrissenen Weichteilen, entzündete Wunden

Pudelhündin lässt sich nicht trimmen

Die weiße Zwergpudelhündin soll in zwei Tagen getrimmt werden. Sie ist aber seit einiger Zeit extrem berührungsempfindlich. Auf leichteste Berührung der Haarspitzen im Rückenbereich reagiert sie mit unruhigem Umhertrippeln, auf leichten und festen Druck mit zusätzlichem Schnappen. Diesen Zustand hatte sie schon einmal. Damals war der ganze Körper so empfindlich. Normalerweise lässt sie alle Körperpflegemaßnahmen widerstandslos über sich ergehen, ohne Abwehr, ohne Unruhe. Im derzeitigen Zustand ist an Trimmen nicht zu denken. Der letzte Termin wurde schon abgesagt. Die Besitzer sind der Meinung, dass jetzt kein Aufschub mehr möglich ist. Eine aufwendige ausführliche Anamnese wird nicht gewünscht. Nur das Zappeln und Schnappen soll schnell abgestellt werden.

Die unkastrierte Hündin neigt zu nervöser Unruhe, regt sich immer furchtbar auf. Beim Tierarzt uriniert sie und bekommt dann auch Durchfall. Ebenso beim Autofahren. Sie ist eifersüchtig, freundlich und verschmust, verträgt keine Wärme.

Berührung der Haare verschlechtert, Wärme verschlechtert, Unruhe, leichte Erregbarkeit

Sie erhält zwei Gaben Apis C200 im Abstand von einigen Stunden und wird 2 Tage später im Beisein ihrer Besitzerin getrimmt.

Meerschweinchen mit Kummer

Das vorgestellte Meerschweinchen ist seit fast 2 Wochen apathisch, zieht sich zurück und frisst kaum noch. Es wurde vor einigen Tagen bereits dem Tierarzt vorgestellt. Die Behandlung (?) brachte aber keine Besserung.

Die Körpertemperatur ist mit 38,2 Grad nicht auffällig, die Atemfrequenz mit 25 eher niedrig. Untersuchung und Beobachtung ergeben keine Auffälligkeiten. Auf Befragen erzählen die Besitzer, dass sie das Tier erst kurze Zeit haben. Zuerst war alles ganz normal, nach einigen Tagen haben sie die ersten Veränderungen beobachtet. Während das Tier zunächst sehr munter und interessiert an allem war, kam es dann kaum noch aus seinem Häuschen heraus. Auch wenn man es herausnahm, zeigte es keinerlei Aktivität, blieb einfach sitzen.

Zur Haltung vor und nach der Übernahme des Tieres befragt, erzählen die Besitzer, dass das Meerschweinchen vorher in einer Gruppe gelebt hat. Bei seinen neuen Besitzern hat es einen Zwerghasen als Kumpel. Wahrscheinlich leidet das Tier unter dieser Veränderung. Sei es, dass es seine gleichartigen Kollegen oder die alte Umgebung vermisst oder ein Problem mit den ungewohnten Umgangsformen des recht aufdringlichen Kaninchens hat. Das Meerschweinchen erhält eine Gabe Natrium muriaticum C30. 2 Tage später wird berichtet, dass das Tier wieder öfter aus seinem Häuschen herauskommt und wieder ein bisschen mehr frisst. In den nächsten Tagen normalisiert sich sein Zustand vollends.

Nat-m.: Beschwerden durch Kummer, Gleichgültigkeit, Abneigung gegen Gesellschaft, Appetitlosigkeit

Stute mit Kolik

Die Stute ist unruhig, frisst nicht, wandert in ihrer Box umher, scharrt, legt sich aber nicht. Sie zeigt ein für Pferde eher außergewöhnliches Verhalten: sie streckt sich. Und zwar wie ein Katze. Sie stellt die Vorderbeine vor, verlagert ihr Gewicht nach hinten. Vorderbeine und Körper stellen eine fast gerade Linie dar, die Kruppe ist der höchste Punkt. Anschließend nimmt sie ihr Wanderung wieder auf, bleibt stehen, streckt nacheinander die beiden Hinterbeine nach hinten heraus. Zwischendurch steht sie sehr verkrampft und unsicher. Das Verhalten wiederholt sich. Der Kotabsatz ist normal, die Stute erscheint aufgegast. Es gehen auch viele Gase ab.

Die Ursache für die offensichtlichen Bauchschmerzen ist nicht zweifelsfrei festzustellen. Die Stute hat unbeabsichtigt eine größere Menge Grummet gefressen und wurde eine Stunde vorher in eine andere Box verbracht, was sie mit vermehrter Unruhe und Wachsamkeit quittiert hat. Möglich wäre also, dass die ungünstige Fütterung die Kolik ausgelöst hat und/oder die Aufregung durch die Umstellung.

Kater mit akutem Infekt

Der 8 Monate alte Kater, ungeimpft, ist seit einem Tag desinteressiert, auffallend ruhig. Der Appetit ist deutlich vermindert. Die Temperatur ist nicht dramatisch erhöht (39,6). Auffällig ist, dass das normalerweise übermäßig anhängliche, verschmuste und aufdringliche Tier anscheinend dem Angefasst-werden ausweicht. Er dreht sich weg, reagiert sogar mit Hautzucken auf Berührung im Kopf- und Halsbereich. Andere Symptome sind nicht zu erheben. Der Kater erhält Lach. C200. Am nächsten Tag ist er wieder der Alte.

Lahmheit beim Pferd

Der 7-jährige Wallach zeigt seit 3 Tagen eine zunehmende Lahmheit hinten rechts, die jetzt so schlimm ist, dass er sich freiwillig keinen Schritt mehr bewegt. Selbst beim Führen bleibt er stehen und nimmt Ruhestellung ein. In der letzten Nacht hat er sich nicht hingelegt. Er stellt das Hinterbein in Ruhestellung zur Entlastung seitlich heraus. Fesselgelenk und Fessel sind angelaufen. Eine Untersuchung ist wegen der vehementen Abwehr des Tieres nicht möglich, auch ein Hochnehmen des Fußes nicht. Er lässt sich das Bein nur von oben bis zum Sprunggelenk abtasten. An eine Untersuchung mit der Zange oder Beugeproben ist nicht zu denken. Die Vorführphase des betroffene Beines ist verkürzt. Das Tier bemüht sich, zuerst auf der Zehe aufzufußen. Er vermeidet jedes Durchtreten und entlastet das Bein schnell wieder. Vermutlich liegt der Lahmheit ein Geschehen im mittleren bis hinteren Hufbereich zugrunde. Die Sehnenkonturen scheinen, soweit man das durch Betrachten beurteilen kann, klar zu sein.

Der Wallach erhält morgens Bryonia C30. Am Abend belastet er das Bein im Stand wieder. Er bekommt noch einen Tag Boxenruhe verordnet, Bryonia wird noch einmal wiederholt. Am nächsten Tag ist die Lahmheit deutlich besser. Er fußt wieder plan auf. Am darauffolgenden Tag steht der Besuch des Schmiedes an. Er kann am Huf keine Besonderheit feststellen. Einige Tage später ist von der Lahmheit nichts mehr zu sehen. 8 Wochen später stößt der Schmied beim Ausschneiden der Sohle auf ein großes schwarzes Loch im Huf, unter und seitlich der äußeren Strahlfurche. Offensichtlich hatte der Wallach ein Hufgeschwür, das aber weder zum Kronrand noch zur Sohle hin aufgebrochen ist.

Bry.: langsame Entwicklung von Beschwerden, Verschlechterung durch Bewegung und Druck, Verschlechterung durch Berührung.

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