Psychoneuroimmunologie – Stress macht auch Tiere krank

Psyche und Immunsystem beeinflussen sich gegenseitig

Man liest/hört es ja immer wieder, bei dieser oder jener Krankheit oder einer latenten Infektion sollte Stress unbedingt vermieden werden. Wie hängt das aber zusammen und wie wirkt sich Stress im Einzelnen aus? Und wie wirken sich positive Gefühle auf das Immunsystem aus?

Stress ist nicht gleich Stress

Stress kann akut oder chronisch sein, lange oder kurz anhalten, lange zurückliegen und noch nachwirken, er kann als Herausforderung oder Bedrohung empfunden werden.

Akuter Stress steigert die Aktivität des unspezifischen, angeborenen Immunsystems.  Das angeborene Immunsystem kann innerhalb weniger Minuten hochgefahren werden und Erreger unschädlich machen. Es reagiert damit viel schneller als das adaptive Immunsystem. Das angeborene Immunsystem verbraucht auch weniger Energie. Das angeborene Immunsystem reagiert auf alle Erreger gleich, es unterscheidet nicht.

Hält Stress lange an, wird er chronisch, kommt es zu einer gefährlichen Fehlfunktion des Immunsystems. Chronischer Stress entsteht, wenn man einer belastenden Situation nicht durch Kampf oder Flucht entgehen kann, wenn man keine Lösung findet. Bei chronischem Stress beobachtet man eine Suppression des angeborenen und des adaptiven Immunsystems. Das adaptive Immunsystem reagiert individuell auf die Erreger. Es bildet Antikörper, T-Zellen und Gedächtniszellen, die ganz gezielt einen bestimmten Erreger bekämpfen. Das angeborene und das adaptive Immunsystem arbeiten Hand in Hand. Die Reaktion des adaptiven Immunsystems auf das Eindringen eines Errgers dauert wesentlich länger  als die des angeborenen Immunsystems, ist aber nachhaltiger. Bei erneutem Kontakt mit einem schon bekanntem Erreger ist das Immunsystem schon gewappnet, die Reaktion erfolgt schnell.

Immunzellen und Botenstoffe

Dringt ein Erreger in den Körper ein, muss er zunächst die Hürde der  Fresszellen in Blut und Gewebe nehmen. Stößt er auf Fresszellen (im Blut heißen sie Monozyten, im Gewebe Makrophagen), wird er von diesen “gefressen” und verdaut und die Fresszelle beginnt Botenstoffe zu produzieren, die das Immunsystem in Alarmbereitschaft versetzen. Die Zellen des Immunsystems, die Antikörper produzieren, werden aktiviert die passenden Anitkörper zu produzieren. Außerdem werden T-Zellen aktiviert, die die mit Antikörpern markierten Erreger bekämpfen.  Ebenfalls aktiviert werden NK-Zellen (natürliche Killerzellen), die Erreger auch ohne vorherige Markierung abtöten.

Überschießende Aktivität des Immunsystem wird für den Körper gefährlich. Also muss es da eine Regulation geben, um genau das zu verhindern. Und da kommt das Stresshormon Cortisol ins Spiel.

Cortisol hält das Immunsysten unter Kontrolle

Die Cortisolproduktion der Nebennierenrinde wird im Gehirn gesteuert über die Bildung  von CRH (Corticotropin-Releasing-Hormon des Hypothalamus) und ACTH (Adrenocorticotropes Hormon der Hypophyse).  Das CRH sorgt dafür, dass ACTH gebildet wird und dieses wiederum veranlaßt die Nebennierenrinde Cortisol zu bilden. Beeinflußt wird diese Steuerung von Neurotransmittern, die in Abhängigkeit von Gemütszuständen mehr oder weniger produziert werden. Normalerweise wird nur soviel Cortisol ausgeschüttet wie zur Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtes nötig ist, gerade soviel, dass das Immunsystem in seiner Funktion reguliert aber nicht beeinträchtigt wird.

Chronischer Stress und Depression lösen eine vermehrte Produktion von Cortisol aus. Und zwar nicht  nur vorübergehend sondern dauerhaft. Damit wird die Tätigkeit des Immunsystems nicht mehr nur ausgleichend reguliert sondern unterdrückt. Teile des Immunsystems funktionieren dann nicht mehr, vor allem die Bildung der wichtigen Botenstoffe bleibt aus. Alle Reaktionen des Immunsystems werden dadurch ausgebremst. Die Zahl der T- und NK-Zellen ist vermindert und – was im Zusammenhang mit latenten (versteckten) Infektionen (z.B. Herpes oder Leishmaniose) ganz wichtig ist – die Erreger werden nicht mehr in Schach gehalten, sie werden aktiviert. Auch die Wundheilung ist verzögert.

Die gute Nachricht: die negativen Auswirkungen von Stress auf das Immunsystems lassen sich rückgängig machen

Was in die eine Richtung funktioniert, funktioniert auch entgegengesetzt. Optimismus, Selbstwert, Selbstwirksamkeit (der Glauben, aufgrund eigener Kompetenzen gewünschte Handlungen erfolgreich selbst ausführen zu können), soziale Bindung und positive Gefühle senken die Cortisolproduktion und wirken sich dadurch positiv auf die Tätigkeit des Imunsystems und Krankheitsverläufe und Infektanfälligkeit aus.  Latente Infektionen bleiben unter Kontrolle und der Patient bleibt klinisch gesund.  

Hier der Link zu einem Video auf 3sat.de zum Thema Neuroimmunologie

Da Tiere sowohl Stress (durch nicht-artgerechte Haltung, Unterdrückung, Angst etc) als auch positive Gefühle haben (Wohlbefinden, Selbstvertrauen; Bindungen etc)  gilt das alles auch für unsere Haustiere.

Neuroimmunologie und Homöopathie

Zu Hahnemanns Zeiten war das Zusammenspiel von Nervensystem und Immunsystem noch unbekannt. Aber Hahnemann sah schon die Einheit von Körper,  Geist und Seele und beobachtete einen Zusammenhang zwischen Krankheitssymptomen und Gemütszuständen.

Die  Causae Kummer, Mißbrauch, Unterdrückung, Verlassensein, Trennung etc.  stellen für den Homöopathen seit jeher den fein differenzierten Zusammenhang zwischen Stress-Auslösern und Krankheitssymptomen her. So stärkt dann auch das Simile das Immunsystem ganz ohne eine direkte Immunmodulation (= Beeinflussung des Immunsystems durch pharmakologisch wirksame Sustanzen).  Damit beantwortet sich auch die  oft gestellte Frage, was man denn homöopathisch für das Immunsystem tun kann. Es ist ganz einfach und manchmal doch so schwer: Man suche und finde das Simile für die individuelle Krankheit des Patienten!