Reise- und Importerkrankung Leishmaniose

Dieser Beitrag ist Teil 2 von 6 in der Serie Leishmaniose

Die Leishmaniose – eine endemische Zoonose

Die Leishmaniose ist eine in den Tropen, Subtropen und in Südeuropa sowie im Mittelmeerraum bis zum 45. Breitengrad stark verbreitete parasitäre Erkrankung von Mensch und Tier.  Durch vermehrte Reise- und Importaktivitäten gewinnt sie auch bei uns an Bedeutung.
Es handelt sich um eine Zoonose, d.h. sie kann vom Tier (Hund, andere Säuger) auf den Menschen und umgekehrt übertragen werden.

Die Leishmaniose gehört zu den sog. Vector Born Deseases. Das sind parasitäre Erkrankungen, die von Ektoparasiten (den sog. Vektoren wie  Mücken oder Zecken) übertragen werden. Die Leishmanien sind Endoparasiten und zwar obligat intrazelluläre Parasiten. Bei den Leishmanien handelt es sich um Protozoen. Es gibt viele Unterarten und viele Tierseuchen, die durch Leishmanien verursacht werden.  Nicht alle Arten sind auch für den Menschen gefährlich.

Erreger und Verbreitung

Im europäischen Mittelmeerraum wird eine Leishmaniose bei Mensch und Tier hauptsächlich durch  Leishmania (donovani) infantum, synonym L. chagasi ausgelöst. Der Hund ist das Hauptreservoir von L. infantum. Prozentual soll die Zahl der mit L. infantum infizierten Menschen und Hunde annähernd gleich groß sein. Die Infektionsrate hängt bei Hunden und Menschen von der lokalen Sandmückenpopulation und deren Stechgewohnheiten ab.

Wirtswechsel und Vektor

Die Vermehrung der Leishmanien läuft in 2 Wirten ab:  In der Sandmücke ( engl. sand fly),  die als Zwischenwirt fungiert, und in Mensch oder Tier, die als Endwirte befallen werden.

Von der Sandmücke werden mit dem Speichel beim Stich geißeltragende (promastigote) Leishmanien in die Haut eingebracht. Dort werden die Leishmanien von Makrophagen (Fresszellen) aufgenommen, wandeln sich in die unbegeißelte (amastigote) Form um und vermehren sich durch Teilung – aus einer Leishmanie werden zwei.  Anschließend werden die Makrophagen  zerstört, die Leishmanien werden freigesetzt und befallen weitere Makrophagen.

Beim Stich einer Sandmücke nimmt diese  die Leishmanien aus dem Gewebe oder dem Blut auf.  Im Mückendarm wandeln sich die Leishmanien nach der Vermehrung wieder zur promastigoten Form um, dringen ins Darmepithel ein und gelangen in die Speicheldrüse der Sandmücke – bereit zur nächsten Infektion von Hund oder Mensch.

Auch möglich aber von geringerer Bedeutung ist die Übertragung durch erregerhaltiges Sperma, die pränatale Übertragung von der Mutter auf den Foetus und die Übertragung durch Bluttransfusion. Auch die Übertragung durch Speichel wird diskutiert.

Infektionsrisiko

Eine Leishmaniose kann überall dort erworben werden, wo mit Leishmanien infizierte Sandmücken der Gattungen Phlebotomus oder Lutzomyia auf Mensch oder Hund bzw. andere Säuger treffen.

Die Infektionsrate von Hunden mit Leishmanien ist besonders im Mittelmeerraum gebietsweise sehr hoch: Süd-Frankreich (bis 20%), Nord-Spanien (5-10%), Süd-Spanien (bis 42% in Andalusien), Italien (5-10%, auf Sizilien bis 80%), Nord-Griechenland (bis 3%), Süd-Griechenland (ca. 25%). In Regionen mit hohen Infektionsraten erwerben viele Hunde eine Resistenz gegenüber dem ErregerI! Die Zahlen sind von leishmaniose.de übernommen. Dort gibt es auch Informationen zu den Sandmückenarten, die in den verschiedenen Ländern und Regionen vorherrschen.

Kommen wir an dieser Stelle noch einmal auf die regelmäßige Nachtestung eines leishmaniose-negativen Hundes zurück. Sie ist bei einem Hund aus Andalusien angesichts dieser Zahlen dringlicher als bei einem Hund aus Italien oder Griechenland.

Nur die Hälfte aller negativ getesteten Hunde sind nicht infiziert!

Wenn aber  ca. 40%  der andalusischen Hunde infiziert sind, ist das Risiko, einen infizierten und negativ gestesteten Hund aus dieser Region zu erwischen, durchaus beachtlich.

Klinische Symptome der Leishmaniose

Im Wirt befallen die  Leishmanien nach dem Stich zunächst die Haut.  Die kleinen Knötchen werden oft übersehen.  Die Leishmanien befallen die Makrophagen in Haut und Gewebe, streuen über die regionalen Lymphknoten in fast alle Organe  – vor allem aber die Organe des Immunsystems,  Leber, Milz, Knochenmark und Lymphknoten. Dort verursachen die Leishmanien granulomatöse (knötchenbildende) Entzündungen.

Klinische Symptome sind  Lymphadenopathie, typische Hautveränderungen, Kachexie, Hyperthermie, Konjunktivitis, Milzvergrösserung und abnormesKrallenwachstum (mit abnehmender Häufigkeit). Oft werden leicht- bis mittelgradige normochrome Anaemie, mässige Leukopenie, Hypergammaglobulinämie und Hypoalbuminämie beobachtet.

Man unterscheidet 2 Manifestationsformen der Leishmaniose

Die kutane Leishmaniose zeigt sich in ulzerierenden und z.T. nekrotisierenden Hautläsionen mit schlechter und verzögerter Wundheilung. Wie der Name  schon sagt, ist nur die Haut betroffen. Die Letalität ist gering und es bleibt wohl eine lebenslange Immunität zurück.

Die viszerale Leishmaniose ist eine schwere Allgemeinerkrankung mit Leber- und Milzvergrößerung. Unbehandelt verläuft sie in bis zu 90% der Fälle tödlich und auch behandelt sind Todesfälle möglich.

Die Verdachtsdiagnose basiert auf klinischen, hämatologischen und anamnestischen Daten und kann – ausser bei latenten Infektionen ohne humorale Immunantwort – in den meisten Fällen durch den Nachweis spezifischer Antikörper bestätigt werden.

Manchmal kommt es niemals zu einer übermäßigen Vermehrung des Erregers und einer klinischen Symptomatik.  Der Verlauf hängt wesentlich von Immunstatus und Erkrankungsstadium ab.

Das Tückische an einer Leishmanien-Infektion ist die Fähigkeit der Erreger, sich in den Zellen des Immunsystem des Wirtes den Abwehrmaßnahmen erfolgreich zu entziehen und das Immunsystem zu seinem Vorteil zu manipulieren.

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