Sterbebegleitung bei Tieren

Sterbebegleitung – auch bei Tieren ein Thema

Sterbebegleitung bei Tieren bedeutet in der Praxis für den Therapeuten einerseits Begleitung/Unterstützung des Tierhalters und andererseits Palliation der Beschwerden des sterbenden Tieres. Sterben ist – auch wenn manchmal so damit umgegangen wird – keine Krankheit, die sich therapieren lässt. Es ist ein natürlicher – der letzte – Lebensabschnitt! Das Sterben gehört noch zum Leben! Diesen Lebensabschnitt kann man medikamentös begleiten. Man kann Schmerzen und Unruhezustände, Atemnot und Krämpfe lindern. Und man kann einfach nur da sein, das Sterben mit aushalten. Was vielen Menschen sehr schwer fällt. Zu akzeptieren, dass das geliebte Lebewesen geht und dass man nichts dagegen tun kann, ist schwer.

Es gibt kein Zurück

Hat der Sterbeprozess einmal begonnen, kann man ihn nicht aufhalten. Der eigentliche Sterbeprozess dauert Stunden oder Tage, die durch zunehmendes Organversagen (oft aus einer chronischen Erkrankung heraus) gekennzeichnet sind. Zunächst wird die Wahrnehmung durch verminderte Hirnaktivität eingeschränkt. Seh- und Hörvermögen lassen nach. Die Atmung wird flacher und röchelnd. Während das Ende des Sterbeprozesses klar  definiert ist, kann man den Beginn des Sterbens nicht so eindeutig festlegen.

Eine chronische Erkrankung kann sich lange Zeit mit sehr schlechtem körperlichen Zustand hinziehen, ohne dass vom Sterbeprozess die Rede sein kann!!

Einschläfern oder den natürlichen Sterbeprozess durchlaufen lassen?

Einschläfern bedeutet, dass der natürliche Sterbeprozess nicht durchlaufen  bzw. abgekürzt wird. Wäre der Sterbeprozess mit seinen verschiedenen Phasen sinnlos, gäbe es ihn in dieser Form nicht. Geht man davon aus, dass die Seele um den (für sich passenden) Sterbezeitpunkt weiß und das Sterben durchaus zielgerichtet einleitet, nimmt man dem Lebewesen hier seine letzte Selbstbestimmtheit und greift in eine wichtige noch zum Leben gehörende Phase ein. Sieht man den Sterbeprozess als wichtigen letzten Entwicklungsschritt der Seele, nimmt man der Tierseele diese Entwicklungsmöglichkeit.

So weit so gut, nur kann tatsächlich nicht jeder das aushalten und manchmal sind die Gegebenheiten nicht so, dass man sich für eine natürliches Sterben(lassen) oder auch ein Durchleben schwerer chronischer Krankheit im Vorfeld entscheiden könnte. Hospize für Tiere gibt es nicht, man kann das kranke/sterbende Tier schlecht an anderem Ort bis zu seinem Tod betreuen lassen. Dem Tier würde auch jede Einsicht in die Notwendigkeit/Zweckmäßigkeit fehlen und der Verlust der gewohnten Umgebung würde schwer wiegen.

Der Mensch trifft die Entscheidung, die Krankheit und das Sterben gemeinsam mit seinem Tier bis zum Ende zu (er)leben oder er wählt die Abkürzung. Jeder Tierbesitzer hat die Entscheidungsfreiheit, jede Entscheidung ist richtig im Sinne von passend für die Beteiligten. Insofern lassen sich auch keine Empfehlungen aussprechen.

Bedeutet Sterben zwangsläufig Leiden?

Für den Tierbesitzer ist das eine ganz wichtige Frage. Allerdings sollte man hinterfragen, um wessen Leiden es eigentlich geht, um das Leiden des Tieres oder das des Tierhalters. Viele Ängste des Besitzers haben mit der Angst vor dem (eigenen) Tod zu tun und auch mit falschen Vorstellungen über den Sterbeprozess. Hier helfen Gespräche und Informationen!

Z.B. verhungert/verdurstet das Tier nicht, wenn es keine Nahrung/Wasser aufnimmt. Wir dürfen nicht davon ausgehen, wie schlimm Hunger und Durst für den gesunden Organismus sind und wie nötig Wasser und Nahrung zum Wiederaufbau nach Krankheit/OP sind. Die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme werden eingestellt, um den Sterbeprozess zu erleichtern. Bei einer Flüssigkeitsunterversorgung sendet das Hirn körpereigene Opiate aus. Sie sorgen dafür, dass Schmerz nicht mehr so stark empfunden wird und sich das Bewusstsein beruhigt. Die Aufrechterhaltung von subcutaner oder intravenöser Versorgung erschwert den Sterbeprozess und belastet den sterbenden Organismus unnötig. Das Wasser kann oft nicht mehr ausgeschieden werden, was Ödeme zur Folge hat. Unverdaute Nahrung führt zu Koliken/Krämpfen/Durchfall.

Ein Leiden, wie es der Mensch angesichts des Todes durch Unerledigtes, durch Ego-Ansprüche und nicht Nicht-Loslassen-Wollen empfindet, werden wir beim Tier nicht finden. Allerdings wird das Tier nur leicht gehen können, wenn seine Bezugspersonen es loslassen. Ängste und Unruhe der Bezugspersonen übertragen sich auf das Tier.

Homöopathie in der Sterbebegleitung

Den Lebensabschnitt Sterben kann man (wie alle andere Lebensphasen) homöopathisch begleiten.

In einem Beitrag auf der Seite des DZVHAE (Zentralverein homöopathisch arbeitender Ärzte) schreibt eine Ärztin, dass nach ihrer Erfahrung in der Begleitung von Geburten und Sterben Geburt und Sterben sich entsprechende Prozesse sind. Lebensanfang und Lebensende werden ähnlich traumatisch erlebt und erfordern oft die gleichen Mittel.

Von Sterbemitteln zu sprechen ist auch noch aus einem anderen Grunde verfehlt: kein Mittel kann ein Individuum, das nicht zum Sterben bereit ist, töten. Ist das Tier bereit, werden die Sterbephasen allerdings ruhiger und u.U. schneller durchlaufen.

Erstes Ziel der homöopathischen Sterbebegleitung ist die Palliation

Palliation bedeutet Erleichterung von belastenden Symptomen wie Atemnot und Schmerzen und der oftmals auch von körperlichen Symptomen unabhängigen Unruhe und  Angst. Die unter Umständen schnell wechselnden  – und deutlich erkennbaren – belastenden Symptome entscheiden die Mittelwahl. Hier einige Beispiele:

Bewährte Schmerzmittel bei Krebs: apis, ars, euph. calc. hyd
Unruhe und Angst/Panik: ars
Verschleimung, rasselnde Atmung: ant-t
asthmatische Atmung: ars
Erstickungsgefühl: lach
Kälte, blaue Extremitäten, Lufthunger: carbo-v
Blutungen: phos, lach

Hier einige Links zur Sterbebegleitung mit Homöopathie – Beiträge aus dem Humanbereich, die zum Nachdenken anregen und auf die Verhältnisse beim Tier übertragbar sind:

Homöopathische Mittel  in der Sterbebegleitung – Dr. Levin

Homöopathie am Sterbebett – Dr. Prollius

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