Tierschutz in Spanien

…..eher fehlender Tierschutz

Ausgesetzter Welpe zwischen Müllcontainern – In Vermittlung des TSV SOS-Dogs e.V.

Am 23. Juli 2017 brachte der WDR in der Sendung “Tiere suchen ein Zuhause” einen Beitrag zum Thema “Tierschutz in Spanien – Madrid und Andalusien”. Während in der Stadt Madrid wohl langsam das Bewußtsein und die Empathie wachsen, sieht es in vielen anderen Städten und vor allem in ländlichen Gegenden mehr als traurig aus.

Aus dem Text der WDR-Seite:

Tierhaltung in Andalusien: eine andere Welt

Wachhunde, die ihr ganzes Dasein an kurzen Ketten fristen, herumstreunende Hunde, die sich unkontrolliert vermehren, weil sie nicht kastriert sind, gehören in Andalusien zum Alltag der Tierschützer. Es gibt viele Missstände in Andalusien, die auf fehlende Empathie und Gedankenlosigkeit zurückgehen. Besonders krass offenbaren sie sich bei den zahlreichen Jägern in der Region. Sie vermehren Hunde in großem Umfang. Die nicht jagdtauglichen werden ausgesetzt, in Brunnen oder Müllcontainer geworfen oder irgendwo angebunden, wo sie verhungern und verdursten. Selbst wenn Tierschützer solche Fälle anzeigen, werden sie kaum geahndet. Staatliche „Perreras“ schläfern Fundtiere nach kurzer Frist ein. Und die wenigen privaten Tierheime kämpfen mit geringen Zuschüssen und Spenden sowie immer neuen Notfällen ums Überleben.

Die Sache mit dem Mikrochip

In Spanien bedeute der Mikrochip vor allem Recht und Pflicht des Tierbesitzers. Vor der Entsorgung eines Tieres wird dieser – um eine Rückführung oder evtl. Kostenübernahme zu verhindern – daher oft herausgeschnitten. Wer sein Tier wissentlich dem Verhungern oder Verdursten aussetzt, den lassen auch die durch das unsachgemäße Herausschneiden des Chips verursachten Schmerzen und Entzündungen kalt.

Perrera oder Protectora

Klingt so ähnlich, unterscheidet sich aber in wichtigen Punkten: Perreras sind öffentliche Auffangsstationen für streunende und aufgegriffene Hunde. Hier werden die Hunde nach Ablauf einer kurzen Frist – innerhalb derer sie freigekauft werden können – getötet. Man spricht daher auch von Tötungsstationen. Und es gibt von offizieller Seite Geld für jeden getöteten Hund.

Protectoras sind mehr oder weniger privat geführte Tierheime, die auf Sponsoren und Spender angewiesen sind, manchmal vom Ausland (oft Deutschland) aus geführt werden und auf die Vermittlung von Hunden ins Ausland angewiesen sind. Die Aufnahmekapazitäten sind begrenzt, der Nachschub an ausgesetzen und streunenden Hunden ist unbegrenzt. Die Protectoras platzen daher grundsätzlich aus allen Nähten. Jeder vermittelte Hund schafft Platz für einen anderen Hund, der auf Hilfe angewiesen ist, um zu überleben.

Vermittlung in Spanien – fast aussichtslos

Eine Vermittlung in Spanien ist natürlich theoretisch möglich, in der Praxis aber nur in Ausnahmefällen realisierbar. Bewußtsein und Empathie für das Mitgeschöpf Hund (gilt ebenso für Katze, Pferd, Stier) vermißt man in Spanien. Für Jäger stehen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund und Kastration würde den Nachschub behindern und ist mit der spanischen Mentalität auch nicht vereinbar.

Wenn man denn einen Hund sucht, bieten sich genügend Hunde aus dem unmittelbaren Umfeld an und der Gang in ein Tierheim ist selten.

Kostenaufwendige Behandlungen läßt man nicht  durchführen, eher wird der Hund ertränkt, aufgehängt oder irgendwo auf dem Land an einen Baum angebunden, um dort kläglich zu verhungern oder zu verdursten.
Hat ein ausrangierter spanischer Hund Glück, so wird er in einer Protectora abgegen, über den Zaun geschmissen, dort angebunden oder wenigstens in der Nähe ausgesetzt.

Wer ein Tier zum Tierarzt bringt, ist zahlungspflichtig

Das hat natürlich zur Folge, dass auch tierliebe Menschen sich den Gang zum Tierarzt überlegen – vor allem, wenn es sich “nur” um ein Fundtier handelt. Spanien ist wirtschaftlich gebeutelt und viele Hunde verlieren deshalb ihren Sofaplatz. Die Protectoras sind in solchen Fällen erste Anlaufstelle, kann man doch davon ausgehen, dass man sich hier kümmern wird und auch notwendige tierärztliche Behandlungen durchführen läßt….und vielleicht findet sich ja sogar eine neue Familie.

Bewußtseinänderungen dauern

Jeder weiß, wie schwer es ist, sich zu ändern. Manchmal reicht ein kleiner Impuls, oft funktioniert es eher nach dem Motto ‘steter Tropfen höhlt den Stein’.  Hundevermittlung ins Ausland ist eine Art Erste Hilfe für derzeit betroffene Tiere aber keine langfristige Lösung. Ohne Aufklärungsarbeit vor Ort ändert sich an der Situation nichts! Jede Gesellschaft setzt sich aus vielen Individuen zusammen. Jeder Einzelne, der überzeugt werden kann, wie wichtig die Kastration zur Verhinderung von mehr Hundeelend ist, ist ein Multiplikator.

Was spricht dagegen, Hunde aus dem Auslandstierschutz zu übernehmen?

Nehmen Sie deutschen Notfall-Hunden ihren Platz auf deutschen Sofas weg? Nein.
Wer sich in unseren Tierheim umschaut, sieht dort wenig Hunde kleiner oder mittlerer Größe, wenige Welpen oder Junghunde. Man kann eher davon ausgehen, dass für viele angehenden Tierbesitzer ein Hund aus dem Auslandstierschutz eine Alternative zum Hund vom deutschen Züchter  oder aus ausländischen Welpenfabriken ist.

Schleppen diese Hunde Krankheiten oder Parasiten  ein? Nein.
Tatsächlich ist es so, dass das Immunsystem an das Lebensumfeld und die dort gängigen Erreger angepaßt ist. Nun ist der Mittelmeerraum aber kein anderer ferner Kontinent ohne direkte Verbindung und durch Reisetätigkeiten von Zwei- und Vierbeinern wird sowieso alles hin- und hergeschleppt. Für die Auslandshunde ist Deutschland eher ein sicheres Terrain, umgekehrt wären unsere Hunde dort ohne vorbeugende Maßnahmen den ungewohnten Anfechtungen von Vektorkrankheiten wie z.B.Leishmaniose ausgesetzt, an die sie nun gar nicht angepaßt sind. Eine Gefahr für hier ansässige Hunde geht von den Auslansdshunden – die alle mit Europäischem Heimtierausweis, den geforderten Impfungen,  Mikrochip und nach tierärztlicher Absegnung ausreisen – nicht aus!

Hunde aus dem Auslandstierschutz sind übrigens standardmäßig kastriert (bis auf die Welpen und Junghunde), geimpft, gechipt, gegen Parasiten behandelt und auf Mittelmeerkrankheiten getestet.  Da ist die Übernahmegebühr (meist knapp 400€ inkl. Transportkosten und Geschirr) quasi ein Sonderangebot. Würde man das hier bei einem Tierarzt in Auftrag gebe, wäre der Rechnungsbetrag wesentlich höher.

Kauf oder Adoption

Hunde vom Züchter werden gekauft. Von Seiten des Züchters stehen konkrete wirtschaftliche Erwägungen im Vordergrund. Unkosten sollen gedeckt werden und ein Gewinn ist auch nicht schlecht.  Rassehunde werden zu horrenden Preisen angeboten. Die Billigangebote aus dem Ausland sind ein eigenes Thema – illegal und verbrecherisch.

Hunde aus dem Auslandstierschutz werden adoptiert. Das bedeutet, man wird Besitzer, darf das Tier aber nicht weiterverkaufen und im (Unglücks-)Fall der Fälle geht das Tier zurück an den vermittelnden Tierschutzverein. Das kann man als eine Art Rückversicherung sehen. Kann man den Hund aus welchen Gründen auch immer nicht mehr halten, wird er (u.U. über den Umweg über einer Pflegestelle) wieder in Vermittlung übernommen.

Gleiche Adoptionskosten  für alle

. . . . . . für Rassehunde, für Mischlinge, für Jung und Alt.  Die Gebühr ist eine Mischkalkulation und ein Beitrag zur Kostendeckung für das Tierheim im Ausland und für die vermittelnde Tierschutzorganisation. Adoptionsgebühren, Spenden und Gelder von Sponsoren und manchmal vielleicht mit viel Glück auch Zuschüsse von offizieller Stelle im Ausland kommen in einen Topf und sichern Futter, Unterbringung, Medikamente, Behandlungen für die Hunde, die ins private Tierheim aufgenommen werden. Auch Hunde aus Tötungsstationen werden damit freigekauft.

Jeder angehende Hundebsitzer muss für sich entscheiden, wen oder was er durch seine Kauf- oder Adoptionsentscheidung unterstützt und fördert!

Wer mit dem Gedanken spielt, sich unter spanischen Hunden umzusehen, oder wwer gerne aktiv im Tierschutz mitarbeiten möchten, schaue doch einmal auf der Seite des neu gegründeten gemeinnützigen Tierschutzvereins SOS-Dogs e.V. vorbei.

Helfer werden noch dringend gesucht! Interessenten wenden sich bitte an die 1. Vorsitzende Uschi Koch.

Übrigens: Der Labrador vom Beitragsbild heißt Davinia und steht zur Vermittlung!