Sind Vitamine immer gesund?

Sind Vitamine nur gesund oder können sie auch krank machen?

Vitamine stehen im allgemeinen für Gesundheit und Wohlbefinden. Vitaminergänzungen stehen hoch im Kurs für Mensch und Tier. Sind sie aber tatsächlich nötig oder zumindest sinnvoll oder haben sie sogar schädigendes Potential? Ein spannendes Thema….Vitamine als Gesund- oder Krankmacher?

Vitamine sind für die Aufrechterhaltung vieler Stoffwechselvorgänge unentbehrlich.

Sie können im menschlichen/tierischen Organismus nicht alle bzw. nicht alle in ausreichender Menge synthetisiert werden und müssen daher mit der Nahrung aufgenommen werden. Eine unzureichende Vitaminversorgung kann zu Mangelerkrankungen führen. Eine übermäßige Vitaminversorgung über Nahrungsergänzungen aber ebenso.

Auch ein Zuviel kann schädlich seinl

Hier ein Link zu einem Artikel über die Folgen übermäßiger Vitaminzufuhr. Gilt für den Menschen, ist aber vom Prinzip her auf das Tier übertragbar – abgesehen von den Zahlen.  Die Vitamine greifen bei Mensch und Tier in gleicher Weise in den Stoffwechsel ein. Was für die eine Tierart allerdings ein Vitamin ist, das über die Nahrung zugeführt werden muss, ist es für die andere noch lange nicht. Was im eigenen Stoffwechsel in ausreichender Menge produziert werden kann, zählt nämlich nicht. Vitamin C z.B. ist für den Menschen ein Vitamin, das er sich über die Nahrung holen muss, für die Tiere (Ausnahme Meerschweinchen) gilt das aber nicht. Sie sind Vitamin-C-Selbstversorger.

Vitaminmangel – eine überschätze Gefahr

Für Gesunde (egal ob Mensch oder Tier), deren Ernährung eingermaßen ausgewogen ist, ist Vitaminmangel kein Thema. Im Krankheitsfall, bei unzureichender Nahrungsaufnahme (weil Bedarf durch körperliche Belastungen ansteigt, ohne dass die Aufnahme dem folgen kann, oder auch wenn das Gebiss nicht mehr mitmacht), kann das anders aussehen. Im Krankheitsfall kann auch der ursprüngliche Vitamin-Selbstversorger mit einmal wieder auf die Zufuhr mit der Nahrung angewiesen sein. Das alles heißt aber nun nicht, dass  man auf irgendwelche Tabletten oder Pülverchen zurückgreifen müßte. Es heißt nur, dass man bei der Zusammenstellung der Nahrung auf diese Besonderheiten Rücksicht nehmen sollte durch Auswahl von Nahrungs-/Futtermitteln, die der veränderten Versorgungs- oder Bedarfslage Rechnung tragen.

Vitaminmangel ist ausgesprochen selten und kann in aller Regel nur unter Laborbedingungen durch völlig einseitige Ernährung ausgelöst werden.

Die Hersteller entsprechender Produkte verstehen es allerdings meisterhaft, im Tierhalter einen Bedarf zu wecken, der beim Tier gar nicht besteht. Mehr Vitamine, als man bzw. Tier braucht, bedeuten noch lange nicht mehr Gesundheit oder weniger Krankheit!!

Die Deklaration trägt wenig zur Klarheit über Vitamingehalte bei

Tatsächlich ist schon der Vitamingehalt der Futtermittel fast unkalkulierbar hoch:

  • Viele Futtermittel werden mit Vitaminen angereichert.
  • Vitamine sind Bestandteil vieler Ergänzungsfuttermittel.
  • Manche Vitamine übernehmen auch Zusatzstoffaufgaben, etwa als Farbstoff (Vitamin B2) oder Antioxidationsmittel (Vitamin C).

Immer wenn irgendwo eine Zahl auf dem Etikette steht, ist tatsächlich in aller Regel mehr drin. Der Hersteller muss nämlich die deklarierte Menge garantieren und damit er das auch Monate nach der Produktion noch kann, wird überdosiert.

Deklaration der Vitamine auf der Zutatenliste: Werden Vitamine als Zusatzstoff eingesetzt, um eine technologische Wirkung zu erzielen, müssen sie auf der Zutatenliste mit ihrer Verkehrsbezeichnung und der jeweiligen Zusatzstoff-Klasse aufgeführt werden (z.B. Antioxidationsmittel Ascorbinsäure für Vitamin C, Farbstoff  Riboflavin für Vitamin B2).

Abgesehen von Sinn, Unsinn oder Schaden unnötig hoher Vitamingaben gibt es noch eine ganz andere Problematik: Vitaminprodukte sind nicht blütenrein.

Verschiedene Wege zur Herstellung/Gewinnung von Vitaminen

  • chemische Synthese,
  • biotechnische Verfahren mit Hilfe von Mikroorganismen,
  • Extraktion aus Pflanzen oder pflanzlichem Material.

Alle Verfahren erfordern technische Hilfsstoffe. Viele biotechnische Verfahren greifen auf gentechnisch veränderte Mikroorganismen zurück (z.B. C, B12, B2). Vitamin E kann sowohl biotechnisch wie aus Sojabohnen gewonnen werden. Bei einer Extraktion aus Sojabohnen ist davon auszugehen, dass diese zu einem bestimmten Anteil gentechnisch verändert sind. Viele Vitamine, vor allem die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K, werden auf Trägerstoffe aufgebracht, um sie besser handhaben zu können. Bei einigen dieser Trägerstoffe sind gentechnische Beeinflussungen möglich, z.B. Stärke, Glukose, Maltodextrin. Trägerstoffe gelten rechtlich nicht als Lebensmittel und sind daher von der Deklaration ausgenommen.

Kennzeichnung EU (hier wird es spannend!): Zusatzstoffe, die in geschlossenen Systemen mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt werden, sind nicht zu kennzeichnen. Voraussetzung ist, dass der jeweilige Zusatzstoff aufgereinigt wird und keine Mikroorganismen enthält. Kennzeichnungspflichtig sind Vitamine, die wie Vitamin E unmittelbar aus gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellt werden. Ob dies auch dann zutrifft, wenn mehrere Verarbeitungsschritte durchlaufen werden, ist nicht eindeutig geklärt.

Welcher wie gentechnisch manipulierter Mikroorganismus am Werke war und was von dem gentechnisch veränderten Material im Endprodukt enthalten ist, bleibt ein Geheimnis. Die Entscheidung, ob man sich oder seinem Tier derartig produzierte Vitamine antun möchte – und das in aller Regel ohne jede Notwendigkeit – ist eine individuelle Entscheidung, die jeder für sich treffen muss. Für die Homöopathen erhebt sich die Frage, ob nicht – selbst bei rückstandsloser Entfernung – eine Informationsübermittlung stattgefunden hat. Ein gentechnisch zur Überproduktion eines gewissen Stoffwechselproduktes manipulierter Mikroorganismus (Sykose) hinterläßt möglicherweise entsprechende Spuren im Produkt.

Der alternative Bio-Weg

Hersteller, die auf Natur und Bio setzen, setzen bei der Konzeption von Ergänzungsfuttermitteln auf Rohstoffe, in denen bestimmte Nährstoffe schon von Natur aus konzentriert vorkommen.  Das ist wesentlich kostengünstiger als die Extraktion, spart es doch einen Produktionsprozess. Außerdem ist die Deklaration einfacher. Und die Produkte verkaufen sich gut.
Traubenkerne aus der Maische (Abfallprodukt der Weinherstellung) werden vermahlen und dienen als Lieferant für Antioxidantien (Vitamin E), Süßwasseralgen liefern Vitamine. Sanddorn, Hagebutte und Acerola-Kirsche sind beliebte Vitamin-C-Lieferanten. Die verkaufswirksame Argumentation dazu:  Nährstoffe im natürlichen Zusammenspiel sollen wirksamer sein als isolierte synthetische Zusätze. Das isolierte Vitamin, z.B. Vitamin C aus der Acerola-Kirsche, unterscheidet sich in seiner chemischen Struktur nämlich nicht vom synthetisch produzierten Vitamin C! Einen Vorteil hat das Vorgehen: Der Hersteller umgeht so einige Deklarationsprobleme. Tatsächlich enthalten die o.g. Nahrungsmittel nicht nur das gewünschte Vitamin, sondern einen ganzen Cocktail an biologisch wirksamen Substanzen. Ob man die braucht bzw. ob der Organismus sie auswerten kann, ist allerdings nicht  erwiesen. Wenn schon kein Nutzen, so ist aber – abgesehen von der unnötigen Ausgabe – wohl auch kein Schaden bei den empfohlenen Dosierungen zu erwarten.

Fazit für die Praxis: Ein vermuteter Vitaminmangel läßt sich durch Rationsberechungen bestätigen und durch Laboruntersuchungen nachweisen. Aufgrund eines vermuteten Mangels ohne weitere Anamnese zu einem unkontrollierten Vitamin-Rundschlag auszuholen, kann weitreichende negative Konsequenzen für die Gesundheit haben. Nicht zuletzt können Ungleichgewichte ausgelöst werden, die das feine Zusammenspiel im Organismus empfindlich stören.

Besteht die begründete Annahme eines Vitaminmangels, sollte zunächst versucht werden, das Defizit über die natürlich Ernährung zu decken, indem entsprechende Nahrungs-/Futtermittel ausgewählt werden. Ist auf diesem Wege eine Bedarfsdeckung nicht zu gewährleisten, bleibt nur der Griff zum Ergänzungspräparat. Ob man da lieber auf synthetisch, biotechnisch oder natürlich zurückgreift, bleibt der individuellen Entscheidung überlassen.

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