Zur Diagnostik bei Gewichtsverlust

Systematische Diagnostik bei Gewichtsverlust

Gewichtsverlust ist nicht gleich Gewichtsverlust

Vielfältige Ursachen für Gewichtsverlust sind möglich. Wie in vielen anderen Fällen auch hilft bei der Diagnostik bei Gewichtsverlust ein Algorithmus, das Vorgehen zu ordnen. Algorithmen sind graphische Netzwerke von miteinander verbundenen Entscheidungspunkten. Sie funktionieren, wenn die Datenbasis (Beobachtungen, Labor, Anamnese) eindeutig ist und richtig interpretiert wurde und die beobachtete Krankheitserscheinung – in unserem Fall der Gewichtsverlust – nur eine Ursache hat.

Regelmäßige Gewichtskontrollen sind sinnvoll

Zunächst sollte der Gewichtsverlust durch Gewichtskontrolle verifiziert sein. Wird bei Kleintieren das Gewicht regelmäßig zumindest 1x jährlich kontrolliert, ist ein ungefähres Ausgangsgewicht bekannt. Das ermöglicht es auch, das Ausmaß eines evtl. Flüssigkeitsverlustes bei akutem Erbrechen/Durchfall besser kalkulieren zu können.

Algorithmus Diagnostik Übergewichtaus: Selektive Labordiagnostik nichtinfektiöser Erkrankungen, Ilse Schwendenwein

Kontrolle der Futteraufnahme

Zur Abklärung der Ursache der Gewichtsabnahme ist die Futteraufnahme zu kontrollieren. Ist die Freßlust erhalten, sollte eine Fütterungsanamnese erstellt werden, um beurteilen zu können, ob der Bedarf tatsächlich gedeckt wird. Möglicherweise liegen Faktoren vor, die den Bedarf erhöhen (Trächtigkeit, Laktation, Kälte o.a.). Bei Freigängern und während der Laktation wird der Bedarf vom Besitzer oft zu niedrig angesetzt. Im Falle unzureichender Fütterung ist die Ursache für die Gewichtsabnahme gefunden.

Verdauungs- und Resorptionsstörungen als Ursache für Gewichtsverlust

Entspricht die Energieaufnahme dem Bedarf, muss weiter geforscht werden, ob Verdauungs- oder Resorptionsprobleme vorliegen. Erbricht oder regurgitiert das Tier, hat man die Ursache für die Gewichtsabnahme gefunden. Welche Erkrankung im Hintergrund wirkt, ist damit noch nicht geklärt: Regurgitieren kann auf Motalitätsstörungen des Ösophagus beruhen oder auf mechanischer Behinderung. Erbrechen kann eine Vielzahl von Ursachen haben von ZNS-Störung, Arzneimittelnebenwirkung, Vergiftung, Gastritis, Fremdkörper, Motalitätsstörung des Magens bis hin zum Ileus. Erbrechen führt durch Flüssigkeitsverluste und Nährstoffentzug zum Gewichtsverlust, kann akut und chronisch auftreten.

Kotuntersuchungen geben Aufschluß über evtl. Verdauungsstörungen: Eiweißabbauprodukte stinken faulig, Kohlenhydrate werden unter Vergärung zersetzt und geben dem Kot einen säuerlichen Geruch. Unverdautes und nicht resorbiertes Fett überzieht den Kot mit einem Fettfilm. Verdauungs- und Resorptionsstörungen gehen meist mit Durchfall und häufigerem Absatz größerer Kotmengen einher und können infolge von Organerkrankungen und Störungen der Bakterienbesiedlung des Darmes auftreten oder bedingt durch Infektionen und Fütterungsfehler.

Hat das Tier Fettstühle, leidet es unter Blähungen und Massenstühlen, muss geprüft werden, ob die Bauchspeicheldrüse richtig arbeitet, Gallenproduktion und Gallenfluß nicht gestört sind und die Fettverdauung angemessen funktioniert. Ist hier alles in Ordnung, ist vermutlich die Fettresorption im Darm gestört. Hier gibt es spezielle Tests, die das erfassen.

Gewichtsverlust durch Umsatzerhöhung oder Nährstoffverluste

Liegt bei adäquater Energieaufnahme keine Verdauungs- oder Resorptionsstörung vor, muss die Ursache des Gewichtsverlustes hinter bzw. nach der Resorption liegen. Hier gilt es nun zu unterscheiden, ob der Umsatz erhöht ist oder ob Nährstoffe verloren gehen. Bei Grundumsatzerhöhung mit Fieber kann es sich um Sepsis handeln, ohne Fieber um eine Schilddrüsenüberfunktion, Herzinsufizienz oder einen Tumor. Bei Nieren-, Leber-, Hauterkrankungen, Diabetes mellitus oder Parasitenbefall gehen Nährstoffe verloren. Nieren-, Lebererkrankungen, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen und Diabetes sind durch biochemische Blutuntersuchungen gut zu erfassen.

Keine Nahrungsaufnahme trotz Appetit

Hat das Tier Appetit, nimmt aber keine Nahrung auf (das merkt man daran, dass das Tier versucht, Nahrung aufzunehmen bzw. zumindest Interesse am Futter zeigt), läßt das auf eine Erkrankung von Maulhöhle (inkl. Zähne, Kiefer, Zunge und Kaumuskulatur) oder Schlund/Speiseröhre schließen.

Abmagerung durch Appetitosigkeit kann primär durch eine Störung des Zentralnervensystems (Nichterkennen des Futters) bedingt sein oder sekundär Folge einer Erkrankung sein (Stoffwechselstörung, Nieren- oder Lebererkrankung, Erkrankung des Verdauungstraktes) sein.